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Full text of "Die Kabbalah: Einführung in die jüdische Mystik und Geheimwissenschaft"

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DIE KABBALAH. 

EINFÜHRUNG IN DIE JÜDIsSh^^ST^ 
UND GEHEIMWISSENS£ffi?Fr. 




LEIPZIG. 

Th. Grieben's Verlag (L. Fernau). 

1903. 






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Druck von A. Hopfcr in Burg. 



VORWORT. 

Ein wundersames Gemisch von geheimer Neugier und 
leisem Schauer ist es, das der Name „Kabbalah" bei seiner 
ersten Erwähnung in uns erweckt. Aus den Tiefen ver- 
gangener Tage steigt es vor unserem geistigen Auge herauf, 
das Bild eines alten Kabbalisten im düstern Krakau oder im 
spanischen Ghetto — in dunklen Mantel gehüllt, auf dem 
Haupte die große spitze Pelzmütze, unter der sich die 
weißen Schläfenlocken hervorringeln, während der zweigeteilte 
lange Bart silbergrau über die Brust herniederwallt. In 
mitternächtiger Stille steht die Gestalt in der niederen Studier- 
stube, vom rotgelben Lichte der siebenarmigen Menorah 1 ) 
umrieselt, das dämmernd an den Wänden entlang huscht, 
die Regale mit den riesigen Folianten und allerhand selt- 
samem Gerät umflattert, sich am Metall der astrologischen 
Instrumente am halbgeöffneten Fenster und matter auch in 
dessen erblindeten Rundscheiben spiegelnd, mit vollem Scheine 
dagegen die seltsamen Zeichen des auf dem großen Eichen- 
tische aufgeschlagenen kabbalistischen Buches bestrahlend, 
dem sich der Alte jetzt in feierlicher Haltung naht. Dumpf 
tönt sein Gemurmel in der heiligen Sprache seines Volkes, 
untermischt mit den schweren Lauten des chaldäischen Idioms, 



*) Der heilige Leuchter. 




Haupt und Oberkörper neigen sieh von Zeit zu Zeit i 
ernster und tiefer — jetzt weiten sich die vnrher hnlbgesrhlosscncn 
dunlden Augen, in denen ein übernatürliches Feuer glüht, 
und nun spricht er ihn aus, den großen drei mal heil igen ge- 
heimnisvollen Namen: rot zucken die Flammen der Menorah 
auf, düstere Nebelschwaden verbreiten sich, das enge Gemach 
scheint sich ins Unendliche zu weiten, Raum und Zeit zu 
schwinden. Und durch ;illes hindurch tonen sie weiter, die 
gewaltigen magischen Worte. Da zerteilt sich das dampfende 
Gewölk, und in endloser Schar zieht es heran, immer naher 
und näher, an dem Namensmäcfetigen vorbei, und wieder ins 
Unsichtbare verschwindend: die endlose Reihe der Rabbiner 
wie sie der Heilige dem ersten Menschen zeigte am Beginne 
der Welt! Voran das gigantische Bild des Meisters des 
Volkes, Moses — über dem der Friede sei! — vom Glänze 
des Sinai umwittert, treulich in seinen FnßstapFen sehr 
Josua, dem die Ältesten Folgen, dann die Männer der g 
Versammlung, jetzt die geistgewappnete Streitmacht der 
Talmudisten, unter vielen Gedankengewaltigen auch der große 
Simeon ben Jochai, der Vater der Kabbalah, darauf der 
Gaonen hohe Schar und weiter, immer weiter in zahlloser 
Reihe die Leiter und Lehrer des Volkes, die da waren, und 
die es jetzt sind, und die künftigen bis ans Ende der Tage. . . 
Hoch aufgerichtet und in die Ferne schauend die einen, ge- 
dankenvoll vor sich hinblickend die auderen, demütig ge- 
senkten Hauptes einher wandelnd die dritten — blühende 
Jünglinge, starke Männer, emste Greise, mit Ehren hoch 
geziert, mit Elend beladen, und manches Haupt geschmückt 
mit blutiger Mürlvrerkrone — von lichtem Sonnenschein die 
einen bestrahlt, der anderen Pfad von Wettern lichten um- 
düster t. So wallen sie dahin, und aus unabsehbarer Feme 
immer neue herannahend .... Das Bild verschwimmt — 



gewaltig tönen durch den Dümmerschein die hohen Worte 
fürt. G Hinzen des Nebel weben — ein leuchtendes Nichts, 
ein leuchtendes All... Was will das werden? Da schießen 
aus dem gestaltlosen Glast nach allen Regionen zehn mächtige 
Strahlen hervor, in kreisendem Schwalle sich fliehend, sich 
einend, neue Slnihlen gebärend, die wirbelnd weiter slrahleu, 
unzählige Funken versendend, die auseinander sprühen und 
wiederum sich zusammenballen zu Gestaltungen, immer weiter 
hin in den unendlichen Raum. Aus den leuchtenden Ele- 
menten werden Formen, aus den Formen Seelen und Körper, 
alles eine lebendige gkinzdurniwnhene Well, hervorslrömend 
aus dem Morgenlicht der Ewigkeit und wieder zurückfließend 
in das göttliche Licht meer immenkir. — Die Stimme srhweigt, 
die Lichter der Menorah verlöschen, und friedlich ruht der 
greise „Herr des Namens" im braunen Lehnstuhi, während 
der erste Hauch der Morgenluft zum Fenster hereinweht. — 

.Dann hören wir im Geiste wohl den wundersamen 
Meister auch, wie er in stiller Stunde auserwilhlten Jungem 
die geschauten Geheimnisse enthüllt, sie einführt in das 
Wesen und Werden alles Seins, in den Sinn des Lebens und 
in die Tiefen der Gottheit. Wenn der Ehrwürdige aber 
unter die Menge sich mischt, die von ihm grolle Taten ohne 
Zahl zu erzählen weiß, sagt er den „Glaubigen" mancherlei 
gutes Wort, Herz und Leben zu bessern, und je weniger die 
Leute seiner Rede tiefsten Sinn verstehen, desto höher erheben 
sie seine Weisheit 

Das vorgeführte Bild ist nicht unrichtig, aber freilich zu 
allgemein und zu wenig genau, um von dem Wesen der 
Kabbalah oder der mystischen Geheim Wissenschaft im Juden- 
tum eine genügende Vorstellung zu geben. Gar manchem 
aber dürfte an näherer Aufklärung hierüber gelegen sein! 



VI 



Die einsamen Pfade der Mystik haben von jeher nach- 
sinnende Menschen angezogen. Seit altersgrauen Zeiten sind 
sie vorhanden und nicht von den schlechtesten Geistern be- 
treten. Immer waren sie verschiedener Art, alle aber auf 
ein Ziel gerichtet: Das Eine, in dem du alles hast! — Nicht 
nur nach Rom führen viele Wege, und es widerspricht 
mystischer Sinnesart, einen als den allein wahren zu be- 
zeichnen. Darum wird es auch nicht richtig sein, wenn man, 
wie heute vielfach üblich, einseitig den tiefen Gedanken des 
Buddhismus sein Interesse zuwendet. Die Lehren der 
Kabbai ah verdienen mindestens daneben aufmerksame 
Beachtung nicht nur bei dem Mystiker, sondern bei jedem 
Gebildeten, der für die Entwicklung des menschlichen Geistes 
im Wandel der Zeiten Verständnis hat, und es ist die Frage, 
ob nicht die kabbalistischen Gedankengänge die tiefer 
gehenden sind! 

Ein Buch, das kurz und dabei jedermann verständlich 
alles Wissenswerte über die Kabbalah brächte, besitzen wir, 
trotz der verdienstvollen wissenschaftlichen Vorarbeiten von 
Jellinek, Steinschneider, Ginsburg, Joel, Ph. Bloch und anderen, 
bisher noch nicht. 

Freundschaftliche Anregung anläßlich meiner Bearbeitung 
von Oleotts „Buddhistischem Katechismus" (Leipzig 1902, 
Th. Grieben's Verlag) veranlaßte mich, es mit einem ähnlich an- 
gelegten Werkchen über die Kabbalah in Frage und Antwort 
zu versuchen, zumal mir die jüdische Literatur noch erheblich 
näher liegt, als jenes Gebiet des Sanskrit und Päli. Trotz 
sorgfältiger Benutzung der Vorarbeiten glaube ich dennoch 
etwas Eigenartiges geleistet und manches Neue gesagt zu 
haben, und hoffe meine Leser, von denen gar vielen 
alles neu sein dürfte, nicht zu enttäuschen. 



vu 



Zum Schlüsse sei noch bemerkt, daß i. der „Anhang" 
auf besonderen Wunsch des Herrn Verlegers beigefügt wurde, 
um manches im Texte Gesagte noch anschaulicher zu 
machen, 2. die Abbildungen zum größten Teil recht seltenen 
Originalen entstammen, deren Erwerbung bezw. Entleihung 
mit vielen Schwierigkeiten verbunden war, weshalb manche 
noch außerdem beabsichtigten Illustrationen unterbleiben 
mußten; allen denen, die bei Beschaffung dieses Materials 
bereitwillig mitgewirkt haben, sei hiermit bestens gedankt. 

Der Verfasser. 



INHALT. 

Seite 

Vorwort • III 

i. Teil: W esen und Ursprung der Kabbalah (§§ i — 12) I 

2. Teil: Die Geschichte der Kabbalah (§§ 13 — 92) . 7 

3. Teil: Die Lehre der Kabbalah (§§ 93 — 205) .... 45 

1. Metaphysik (§§ 95 — 127) 46 

2. Anthropologie (§§ 128 — 16I! 63 

3. Magie (§§ 167—205) 81 

Anhang , 109 

Register der Abbildungen 122 

Sachregister 124 



WESEN UND URSPRUNG DER 
KABBALAH. 

i. Was ist die Kabbalah? 

„Kabbalah" ist der Inbegriff der mystischen 
Lehren innerhalb des Judentums, und zwar sowohl ' 
der theosophisch-metaphysisch-naturphilosophischen 
Spekulationen, wie der magisch - abergläubischen 
Phantasien. 



2. Was bedeutet „Kabbalah" eigentlich? 

Dieser erst seit dem 13. Jahrhundert unserer 
Zeitrechnung- übliche Name bedeutet eigentlich „Über- 
lieferung" (Tradition) und soll jene Lehren als 
„Geheimlehren" in dem Sinne bezeichnen, dalä sie 
neben dem in Bibel und Talmud Gelehrten seit alters 
vorhanden, aber nur wenigen Bevorzug-ten bekannt 
g-ewesen und von diesen nur an auserwählte Schüler 
überliefert worden seien. 




3. Wie alt ist die Kabbalah? 

Die Kabbalisten führen die Grundzüge 
Lehren in möglichst graue Zeit zurück, bis auf & 
ja sogar bis auf Abraham und auf Adam. 
eigentliche Gründer der Kabbalah aber nennen sie 
vornehmlich drei Talmudisten: Rabbi Ismael ben 
Elisa (um 130 n. Chr.), Rabbi Nechunjah ben Hakana 
(um 75 n. Chr.) und besonders Rabbi Simeon ben 



ge ihrer 
uf Moses, 
im. Als 
innen sie 




IJockai (um 150 n. Chr.), den sie als Verfasser des 
berühmten „Sohar" (s. u. § 45 fr.) bezeichnen. 

4. Was ist hiervon zu halten? 

Dem älteren Judentume und besonders dem 
ursprünglichen Mosaismus sind solche mystischen 
Spekulationen, wie sie die Kabbalah enthält, durchaus 
fremd. Das Riesensammelwerk des Talmud weiß 
zwar von mancherlei mystischen Ideen über Gott 
und seinen Thronwagen (die ..Merkabah", nach 




Ezechiel i), über Himme], Hölle und Welt (Angelo 
logie, Dämonologie, Kosmologie), über Urspi 
Wesen und Fortleben der Seele, über die zukünftige 
Welt, sowie über magische Bräuche mancher Art zu 
berichten. Indessen werden solche Dinge als An- 
sichten und Bräuche einzelner bezeichnet und vielfach 
geradezu als bedenklich, unnütz und gefährlich hin- 
gestellt — mit dem Geiste des talmudischen Schrift- 
tums haben diese größtenteils aus dem Parsismus 
und später aus dem Neuplatonismus eingedrungenen 
Kiemente jedenfalls nichts zu tun, und gerade von 
den drei oben (§ 3) genannten talmudischen Lehrern 
werden dergleichen Ansichten und Kenntnisse nicht 
berichtet, soviel in Talmud und Midrasch sonst von 
ihnen überliefert ist. 

Die Kabbalah als mystisches System und ihre 
Entwicklung zu einem solchen gehört vielmehr ganz 
unzweifelhaft dem Mittelalter an, und zwar reichen 
ihre Anfänge nicht weiter hinauf, als bis ins 7. Jahr- 
hundert unserer Zeitrechnung. Von da an hat sie 
sich in mannigfacher Weise reich entwickelt, bis sie 
ihren Höhepunkt in dem Buche „Sohar" (s. u. § 45U 7 .) 
erreichte. Ihre letzten Ausläufer reichen bis in unsere 
Tage. 

5. Welche Perioden kann man in der Entwicklung 
der KabbaUstik unterscheiden? 



, Die Anfänge 
(?•— 9- Jahrh.) 



bis zum Buche „Jezirah". 




2. Die Fortentwicklung unter dem Einflüsse des 
Jezirah-Buches. (10. — 12. Jahrh.) 

3. Die Vollendung der Kabbalah, vom Auf- 
tauchen der eigentlichen Sephiroth-Lehre an 
bis zum Abschluß des Buches „Sohar". 
(13.-15. Jahrh.) 

4. Die Nachblüte. (16.— 17. Jahrh.) 

5. Der Niedergang. (Seit dem 18. Jahrh.) 



6. Ist die Kabbalah nur mündlich überliefert worden? 

Nein. Manche ihrer Lehren mögen längere Zeit 
nur mündlich verbreitet worden sein, ehe sie schriftlich 
festgelegt wurden, andere überhaupt nicht Auf- 
zeichnung erfahren haben. Was wir aber von der 
Kabbalah wissen, stammt aus schriftlichen Quellen, 
und die erste sichere Kunde von kabbalistischen 
Lehren ist uns überhaupt erst und lediglich durch 
die kabbalistischen Schriften des 7.— 9. Jahrhunderts 
gegeben. 

7. Ist die kabbalistische Literatur groß? 

Ungemein groß. Außer einer gewaltigen Zahl 
von gedruckten Schriften dieser Art befinden sich 
in öffentlichen und Privatbibliotheken unglaublich 
viele Manuskripte kabbalistischen Inhalts, die z. T. 
kaum dem Titel nach bekannt sind. Außerdem 
werden noch viele Schriften dieser Art erwähnt, die 
jetzt verloren oder verschollen sind. 



8. In welcher Sprache ist diese Literatur abgefaßt? 

Hauptsächlich in neuhebräischer und aramäischer 
Sprache, wie auch die talmudische Literatur. Nur 
einige Kommentare zum Buche Jezirah (s. u. § 17^.) 
sind arabisch geschrieben. 

9. Welches kabbalistische Buch ist z. 

geschrieben ? 
Der in Spanien gegen Ende des 13. Jahrhunderts 
verfaßte „Sohar", das Hauptwerk der kabbalistischen 
Literatur. 

10. Was enthalten die kabbalistischen Schriften? 

Außer the osophischen und metaphysischen, kos- 
mologischen und naturphilosophischen und ähnlichen 
tiefen Spekulationen, sowie kühnen" poetischen Ver- 
sinnbildlichungen abstrakter Ideen und hohen ethischen 
Gedanken auch systematisierten Unsinn, geschmack- 
lose Phantastereien und magischen Aberglauben 
mancher Art. 

11. Welche drei Hauptrichtungen lassen sich in der 

Kabbalistik unterscheiden? 
Die metaphysisch-spekulative, die ethisch-aske- 
tische und die magisch - abergläubische, ohne daß 
diese streng von einander geschieden wären. Der 
Verfall der Kabbalistik in der Neuzeit wird besonders 
durch das Vorwiegen der letztgenannten Richtung 
.bezeichnet. 



12. Wie war und ist die Stellung des Judentums als 
solchem zur Kabbalistik? 
Bis ins o. Jahrhundert hinein stand das tal- 
mudistische Judentum der Kabbalis tik im allgemeinen 
ablehnend gegenüber. Im 10. Jahrhundert gewann 
die Autorität des Gaon Saadja (892 — 942), des be- 
rühmten Begründers der hebräischen Sprachforschung 
(s. u. § 21), der Kabbalistik auch unter den Rabbinen 
Anhänger, deren Zahl sich im 12, und 13. Jahr- 
hundert, besonders nach dem Vorgange der als 
Talmudisten berühmten Gelehrten Nachmanides und 
Gikatilla (§ 30), immer stärker mehrte, bis im 17. Jahr- 
hundert das ganze Judentum kabbalistisch beeinflußt 
war. Im 18. Jahrhundert geht trotz stellenweise 
noch großer Macht das Ansehen der Kabbalistik 
immer mehr unter neuzeitlichen Einflüssen zurück, 
und das moderne Judentum sieht im allgemeinen in 
der Kabbalah nur noch eine historische Kuriosität 
oder einen Gegenstand literaturgeschichtlicher Unter- 
suchungen. 



ä k 



DIE GESCHICHTE DER KABBALAH. 



13. Wodurch ist die (vgl. ^ 5} erste Periode (oder das 

Kindesalter} der Kabbalistik gekennzeichnet? 

Statt der späteren mehr spekulativen Tendenz 
herrscht hier noch die religiöse Phantasie vor. 

14. Was ist der Hauptgegenstand dieser mystischen 

Lehren ? 
Die Geheimnisse der Gottheit und ihres himm- 
lischen Reiches mit seinen Heerscharen, vornehmlich 
die göttliche Tnrö nh errlichkeit (s. o. § 4) und die 
Wirksamkeit des Hauptengels Metatron sowie der 
übrigen Himmelswesen, endlich die Art und Weise 
der Erhebung zur mystischen Intuition dieser Dinge. 

15. Welches sind die Hauptwerke dieser Periode? 

1. Othijoth de Rabbi Akiba (Das Alphabet des 
Rabbi Akiba), worin an die einzelnen Buch- 
staben des hebräischen Alphabets religiöse 
und moralische Lehren, z. T. (aber auch nur 






z, T.) mystisch - phantastischer Natur, an- 
geknüpft werden. 

Scfnür koinah (Maßbestimmung der göttlichen 
Natur), in dessen erhaltenen Bruchstücken 
die Maße der anthropomorphisierten Gottheit 
beschrieben werden; diese phantastischen 
Zahlenangaben sind allegorisch gemeint, ihr 
dunkler Sinn aber ist kaum zu enträtseln. 
3. ftechaloth rabbatki (Der größere Traktat von 
den Himmelshallen) gibt die Mittel zur Er- 
reichung mystischer Verzückung, sowie das 
in dieser Erschaute an. 



16. Sind noch andere kabbalistische Bücher aus dieser 

Periode bekannt? 
Ja. Der Gaon Hai nennt z. B. Schriften ma- 
gischen Inhalts, die von Amuletten und Zauberformeln 
handeln, mittels deren man Meeresstürme stillen, Liebe 
erwecken, Menschen zum Tode bringen könne elc, 
wie Sepher ha-jaschar, Sepher ha-rasim, Sepher 
Sehern ben Noach, die aber verloren gegangen sind. 

17. Wodurch unterscheidet sich die zweite Periode 

(oder das Jünglingsalter) der Kabbalistik von 

der ersten? 
Sie ist im „ Sipker Jesiralc 1 (Buch der Aus- 
gestaltung, Schöpfung! nicht sowohl theosophisch, 
als vielmehr kosmologisch gerichtet, hat zum 
Gegenstande die Entstehimg und die wirkenden 




rr'''V ny, ,h>, fk v^m f/r J>y fyJto 









Fig. 2. Zu §§ 16 und 174; Amulett-Zettel der südrussischen Juden in 
Elisabethgrad zum Schutze der Wöchnerin. 



Elemente der Hrscheinungswelt und verfahrt schon 
mehr spekulativ-systematisch. — Weiterhin vereinigt 
sie die kosmologische und die theosophische Richtung 
und entwickelt — zumal bei den jüdischen Mystikern 
Deutschlands im Anfange des 13. Jahrhunderts — 
eine mystisch durchwehte Ethik edelster Art. — 
Andererseits geht aus der theosoplüschen Spekulation 
über Stellung und Zahlenwert der Buchstaben in den 
Gottes- und Engelnamen, den Gebetsworten usw. 
eine Buchstabenmystik mit der Richtung auf 
magische Zwecke hervor. 

18. Was sind die Grundgedanken des Jezirah- Buches? 
Da die Worte und die von ihnen bezeichneten 
Dinge nach Ansicht des Verfassers -eine untrennbare 
Einheit bilden, sind die Elemente der Worte, nämlich 
die (22) Buchstaben (des hebräischen Alphabets) 
auch die Elemente der Dinge. Ober ihnen stehen 
als Kategorien alles Seins die Zahlen der ersten 
Dekade (1- — 10), die ein in sich geschlossenes Ganzes 
bilden. Höchstes Prinzip ist die über jede Zahl er- 
habene absolute Einheit. 



19. Wie entwickelt nun das Jezirah-Buch aus dieser 
absoluten Einheit die Welt? 
Die Einheit setzt sich zunächst als Einzahl (1 1; 
■j ") diese ist der „Hauch (Geist) des lebendigen Gottes". 
— Die Einzahl setzt aus sich heraus die 2, den 
„Hauch vom Hauch", die Stimme, in der die 22 Buch- 



staben als Elemente der Dinge ihren Ursprung haben ; 
physisch stellt dieser Hauch die Luft dar. — Die 
2 entwickelt sich zur 3, oder die Luft entwickelt sich 
zum Urwasser des Chaos, aus dem sich "Wasser 
und Erde scheiden. — Aus der 3 geht die 4 hervor, 
oder aus dem L'rwasser das Urfeuer, das als Feuer 
zusammen mit Luft, und Wasser den Himmel mit 
seinen Gebilden erzeugt. — Zu diesen 4 Elementar- 
zahlen treten die 6 elementaren Dimensionen (Höhe, 
Tiefe, östliche, westliche, nördliche, südliche Richtung) 
und bilden so mit jenen die elementare Dekade, 
welche die Kategorien alles Seins enthält. — Indem 
mit diesen io Zahlen oder Urprinzipien die 22 Buch- 
staben in Verbindung treten, entstehen die Einzel- 
dinge. Da aber diese Verbindung sich infolge eines 
kreisartigen Umschwunges vollzieht,') verändern sich 
diese Dinge auch wieder mannigfaltig. Die Ver- 
hältnisse, unter denen diese ganze Entwicklung ge- 
schieht, sind Gesetztsein, Entgegengesetztsein und 
Vermittlung (Thesis, Antithesis, Synthesis). 



ao. Woran erinnert diese Kosmogonie mit ihrem Zahlen- 
prinzip? 

An die sehr ähnlichen Lehren der griechischen 
Neupythagoreer. 



') Vgl. d 




rbelnd 


n (ab 


r anfjeiitig 


n] Alo 




De 


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Bemerkenswert 


st, <l 


i; die 


MoDad 


□■Theorie, 


mit der 


* 


ans 


Merki 


van HelmoNt 1 


. n. 


§ 8. 


der 


Vorgänger 


Uib.iUe 




wurde, a 



2i. 'Wann ist das Jezirah-Buch verfaßt? 

Nach einigen im 8, oder 9, Jahrhundert n. Chr.; 
. wahrscheinlicher dürfte das Ende des 9. oder der 
Anfang - des 10. Jahrhunderts sein. Manche halten 
sogar den Gaon Saadja, der es 931 zuerst, und 
zwar arabisch, kommentierte (s. o. § 8), für den 
Autor dieses (hebräisch geschriebenen) Buches, vor- 
nehmlich weil die hohe Wertung der Buchstaben 
und ihre Klassifikation usw. auf ihn, den Begründer 
der hebräischen Sprachwissenschaft , hinzuweisen 
scheinen. Außer ihm schrieben noch viele andere 
über das bedeutende Werk Kommentare, unter An- 
näherung an die theosophische Kabbalah. 

22. Wodurch ist das „Buch Rasiel" vor allem be- 
merkenswert? 

Es stellt eine gewisse Vermittlung dar zwischen 
der kosmologischen Tendenz des Jezirah-Buches und 
der rein theo sophi sehen Richtung, indem es den 
engen Zusammenhang betont, der zwischen der über- 
irdischen und der irdischen Welt stattfindet. Be- 
sonders weist es den Einfluß der Gestirne auf die 
menschlichen Geschicke nach, durch dessen Erkennen 
den Menschen die Möglichkeit gegeben sei, das Zu- 
künftige vorauszusehen; in diesem Zusammenhange 
führt es die Astronomie oder vielmehr Astrologie 
in die kabbalistische Lehre ein. (Vgl. § 202.) 

kabbalistischen Grundanscliauuiigen hervorgegangen ist. Seine Monaden 
sind, gleich denen L.'s und den Emanationen in der Kabbalah, 



23. Nenne zwei Vertreter der deutschen, ethisch ge- 
richteten Mystik jener Periode (s. o. § 17)! 
Rabbi Juda (ben Samuel) ha-Chaßd, der Verfasser 
des trefflichen Sittenbuches ,.Sepher chasidim" (Buch 
der Frommen), der 121 7 zu Regensburg starb, und 
sein Schüler Rabbi Eleasar ben Juda (nach 
Hauptwerke auch „Rokeach" genannt), 1237 




Worms gestorben. Er (Eleasar) hat außerdem in 
seinem Kommentare zum Je zirah- Buche die Buch- 
stabenmystik weiter ausgebildet.') 



') Sein Name (Eleasar) und der Titel seines Hauptwerks (Rokeach) 
n denselben Znhlenwert und sind deshalb nach der Gematri» 
■ 37) vertausch bar. (R. = Apotheker, Balsam Verkäufer.) 



Periode 



24. Was ist das Hauptmerkmal der dritten 

der Kabbalistik? 
Die Lehre von den io „Sephiroth" und ihre 
Einwirkung auf die weitere Ausgestaltung der kabba- 
listischen Spekulation. 

25. Was ist unter „Sephiroth" zu verstehen? 

„Sephiroth" ist die Mehrzahl von „Sephirah". 
Dieses ist eigentlich das umgemodelte griechische 
Gfcüpa (Sphäre), zugleich aber bedeutet es im He- 
bräischen „Zahl". Entsprechend den 10 „Sphären" 
der ptolemäischen Astronomie und den 10 „Zahlen" 
des Jezirah-Buches (s. o. § ig) werden jetzt als 
..Sephiroth" 10 wirkende Ur-Ideen oder meta- 
physische Elementarkräfte bezeichnet, welche die 
Vermittlung zwischen der absoluten Gottheit und 
der gesamten Welt bilden. 

26. Wie werden die Sephiroth auch noch genannt? 

In der ersten Zeit auch „Ji/aavirim 1 ' d. h. 
„Schöpfungsworte' 1 , weil im Talmud gesagt ist, 
mit 10 Worten sei die Welt geschaffen worden. 
Der Ausdruck hat zugleich die Bedeutung „Kate- 
gorien", ähnlich wie bei den 10 Urzahlen (Sephiroth) 
des Jezirah-Buches (s. o. ig); doch geht diese Be- 
deutung bald immer bestimmter in den Begriff 
..schöpferische Ur-Idee" über. 

27. So sind die Sephiroth in dieser Periode etwas 

anderes, als in der vorhergehenden? 



Ja; sie haben auch im einzelnen ganz andere 
Namen (s. u. § 112). Während ferner jene „Urzahlen^ 
abstrakte kosmologische Begriffe darstellten, sind 
diese „Ur-Ideen" metaphysischer Art. 

28. Wer gilt meist als Begründer der Sephiroth- 
Lehre? 

Rabbi Isaak der Blinde (um 1200) aus Ntmes in 
der Provence. 

2g. Welches kabbalistische Buch stammt aus dem 
Anfange dieser Periode? 
„Sepher Bahir" {das leuchtende Buch), eine im 
: zu ihrem Namen sehr dunkle Schrift. 



30. Nenne weitere berühmte Kabbalisten dieser 3. Pe- 

riode! 

Asriel ben Menackem, ein Schüler, und Ascher ben 
David, ein Neffe Isaaks des Blinden, Mose ben Nach- 
man (Nachmanides, 1195 — 1270), Todros [ben Joseph 
Ha-lewi] Abulafia (2. Hälfte des 13. Jahrh.), Abraham 
Abiilafia (1240 — 1282), Joseph [ben Abraham] Gikatilla 
(geb. 1248), Mose [ben Schein tob] de Leon (1250 — 
I505)- 

31. Was ist von den beiden ersten zu bemerken? 

Sie unternehmen die dialektische Entwicklung 
der vorher lediglich dogmatisch (behauptend) vor- 
getragenen Sephiroth-Lehre. 



32. Wodurch ist Nachmanides für die Kabbalistik 

wichtig? 
Er soll einen Kommentar zum Sepher Jezirah 
geschrieben haben, der aber für ein Werk Asriels 
(§ 3°) g ut - Wichtiger war es noch, daß er, die 
größte talmudische Autorität seiner Zeit, in seinem 
vielgelesenen Kommentare zu den fünf Büchern 
Mosis kabbalistische Erklärungen und Lehren ver- 
wertete. 

33. Was verdankt die Kabbalah dem Todros Abulafia? 

Er gab den ersten Anstoß zur Lehre von den 
(zehn) „Kelippöth- 1 , zu deutsch „Schalen" oder 
„Hülsen", d. h. von den materiellen Elementen der 
Erscheinungswelt, die den (zehn) „Sephiroth" der 
übersinnlichen Welt entsprechen und zu diesen in 
einem ähnlichen (auch ähnlich schwankenden) Ver- 
hältnis stehen, wie bei Plato die materiellen Dinge 
zu den Ideen. 

34. Wodurch ist Abraham Abulafia bemerkenswert? 

Er sucht mit Erfolg neben der Sephiroth-Lehre 
die Buclistabenmystik (s. o. 17) wieder zu größerer 
Geltung zu bringen, zumal die kabbalistische Be- 
handlung der Gottesnamen, worin er die höchste Stufe 
geheimer Wissenschaft sieht. 

35. Welches sind die Hauptmethoden dieser Buch- 

staben kabbalistik ? 
Gematria, Notarikon, Themnrah. 



36. Was versteht man unter Gematria? 

Gematria (von yeüJjieTpia — Mathematik) ist die 
Ersetzung eines bedeutsamen Wortes in einem Bibel- 
verse usw. a) durch ein anderes, dessen Buchstaben 
denselben Zahlenwert haben, 1 ) oder b) durch einen 
Begriff, mit dem die entsprechende Zahl verbunden ist. 

37. Nenne Beispiele für diese Methode! 

a) Es heilJt 1. Mose 49, 10: Ad ki jabo Schiloh 
(Bis daß Schiloh kommt). Die Buchstaben von 
„jabo Schiloh" haben im Hebräischen den Zahlenwert 
von 358. Denselben Zahlen wert haben die Buch- 
staben von „Masckiach" (Messias). Dieses Wort 
wird nun zur Erklärung des unklaren „Schiloh" 
direkt in den Vers gesetzt und gibt diesem eine 
messianische Bedeutung.") — b) Habakuk 3, 2 heißt 
es: „Im Zorn gedenke der Langmut" (rachem). Der 
Zahlenwert von „rachem" ist 248. Es sind daher 
die 248 positiven Gebote des mosaischen Gesetzes 
gemeint. ") 

38. Was versteht man unter Notarikon? 





') Die 


eisten 10 Buchstaben d 


9 hebr. Alphabets entspreche 


den Zahlen 


— 10, der u 


— 19. Buct 


stabe den Zahlen von 10 — J(X 


der 2 


0.— 32. 


Buchstabe de 


Zahlen v 


sn 200— 400. 




■) Vgl. 


auch oben § 


23 Anm.: 


Eleasar — Rockeach. 




1 Vgl. 


unsere sehe 


zhafte B 


Zeichnung der Apotheker a 


„Neu 


lundnei 


miger" (99»/, 


Verdiene 


der), weil die Buchstaben d 


Wor 


es n Ap 


otbeker", we 


11 man das J einrechnet, im deutsche 


Alphabet [A 


= 1, B = s 


B.W.) d.l 


Zahlenwert 99 haben. 


B 


seh off. 


Kubbalali. 




2 



Notarikon (von notariacum = Abbreviatur) ist 
die Behandlung der Buchstaben eines Wortes als 
Anfangsbuchstaben eines Satzes oder einer Satz- 
gruppe, also die Behandlung eines bedeutsam er- 
scheinenden Wortes als geheime Abbreviatur. 

39. Einige Beispiele! 

Bei „Gau Eden" (Garten Eden, 1. Mos. 2, 8) werden 
die Grundbuchstaben (GNEDN) gedeutet als An- 
fangsbuchstaben der Worte Guph, Nephesch, Ezem, 
Däath, Nezach (Körper, Seele, Knochen, Wissen, 
ewige Dauer), und somit wird in dem „Garten Eden" eine 
Bezeichnung der aus Leib und unsterblicher Seele 
bestehenden Erdennatur gefunden, in die der Mensch 
versetzt worden sei. — Das Wort „Abi ad 1 * (Ewig- 
vater, Jes. q, 5) wird von den Kabbalisten erklärt 
als Azilah, Beriah, Jezirah, Asijjah, Daleth (Emana- 
tion, Schöpfung, Ausgestaltung, Verfertigung, Buch- 
stabe D .= 4) d. h. als Bezeichnung der vier aus 
dem Absoluten und eine aus der anderen sich ent- 
wickelnden Welten (s, u. 1 1 3 if.V 1 ) 

40. Was versteht man unter Themurah? 

Die Vertauschung (Umstellung) der Buchstaben 
eines bedeutsam oder erläuterungs bedürftig er- 
scheinenden Wortes, so dals ein neues Wort entsteht. 

') Man vgl. bei ans die (scherzhaften) Deutungen von NOTAR 
(Nichts Ohne Teure Auwalts-Rethnuug] und MENÜ (Man Esse Nicht 
Unmäßig). 






'9 

41. Nenne Beispiele hierfür I 

Psalm 21, 2 heil>t es: „Herr, in deiner Stärke 
freut sich (oder: wird sich freuen, jismach) der 
König." Welcher König gemeint sei, ergibt sich 
aus der Umstellung der Buchstaben von „jismach" 
(nac): man erhält dann „Maschiacfi" (n-c:i, d. h. 
Messias! — 2. Mose 23, 23 heifit es: r Mein Engel 
("ON'r:, maleachi) wird zu dir kommenl" Durch Um- 
stellung der Buchstaben (Themurah) ersieht der 
Kabbalist, daß der Engel Michael (btir-:) gemeint ist. 1 

42. Gibt es noch andere derartige Methoden? 

Ja, Z. B. „Zimßh" (Buchstabenersatz), die Er- 
setzung aller oder einiger Buchstaben eines Wortes 
durch bestimmte andere, z. B. Ersatz des 1. Buch- 
staben (Aleph) durch den letzten (22.) Buchstaben 
(Th§t) des Alphabets, des 2. (Beth) durch den 21. 
(Schin), des 3. durch den 20. Dies ist das ATHB(A)SCH 
(iW'rix}, nach folgendem Schema: 

1110987654321 (Nr.) 

|? i ? oV 2 2 } 11 r|< B - hst -) 

12 13 I4 15 16 1/ 18 19 20 21 22 

wodurch neue Worte oder Zahlenwerte entstehen, 
die wieder nach der Gematria. (g 36) behandelt werden 
können. 

') Vgl. die Auloieu-Anagtamme „Galen- (für; Lange) usw.. 
oder das Anagrsram des berühmten Schulmanns MARTINUS MYLIUS 
— MI TRINUS ASYLUM. 





43- Einige Beispiele hierfür! 

Jeremia 25, 2b heißt es: „Und der König von 
Scheschaclv- (-i3'3); durch Ersatzmethode „Athbasch" 
erhält man für „Scheschach" das Wort „Babel" 
(tos). Es ist also der König von Babel gemeint. — 
1. Mose 38, 2g wird „PM\s" (y») erwähnt; durch 
die Ersatzmethode „Athbasch" ergeben sich die 
Buchstaben TCä, die den Zahlenwert 14 haben (s. o. 
§ 36). Deaselben Zahlenwert hat das Wort „David" 
(t"). Mit „Perez" ist also geheimnisvoll David an- 
gedeutet. — 4. Mose 7, 14 heißt es: „Eine Pfanne 
10 Silberseckel wert, voll Räucherwerk" (rrTöp, 
ketöreth). Der erste Buchstabe von ketöreth, das p, 
wird durch Athbasch zu -, = 4, dann ist der Zahlen- 
wert des Wortes {s. o. § 36 Anm.) = 613, soviel 
beträgt aber die Zahl aller Ge- und Verbote, mit 
„ketöreth' 1 ist also geheimnisvoll die Gesetzeserfüllung 
bezeichnet. — In ähnlicher Weise werden die ver- 
schiedenen Buchstabenmethoden noch mehr kombiniert 
und kompliziert^) 

44. Erhielt sich denn die Buchstabenmystik weiterhin? 
Ja; gerade Gikatilla (s. o. 30) vertrat sie In 
seinen weitverbreiteten Schriften und fand damit 
solchen Anklang, daß man vielfach diese Buchstaben- 




') Eine bekannte Verbindung der hier als Notankern und The- 
murah bezeichneten Methoden ist z. B. die Erklärung des Namens 
Voltaire an? Arouet !(e) j(eune] = AROVETU = VOLTAIRE. 



oder „künstliche" Kabbalah für den Hauptbestandteil 
der Kabbalistik gehalten hat.) 




45. Wodurch ist Mose de Leon (§ 30) bemerkenswert? 

') Die Namen, Formeln usw. in den kabbalistischen Amuletten 
(vgl. § 174 und Abbild. 4) sind meist z. T. mittels der Methoden 
Themnrah, Ziruph usw. geschrieben. 




Er besalJ eine ungemeine Kenntnis der mystisch- 
kabbalistischen Literatur und ist höchstwahrscheinlich 
der Verfasser des Buches „Sohar" (= Glanz}, das 
den Höhepunkt der Kabbalah bezeichnet. Um dem 
"Werke ein größeres Ansehen zu verschaffen, schrieb 
er es dem berühmten Talmvidisten Simeon ben Jochai 
(s. o. § 3) zu und gab sich nur für den Entdecker 
und Herausgeber des Buches aus. 

46. Aus welcher Zeit stammt also der Sohar? 

In seinen ältesten Bestandteilen aus dem Ende 
des 13. Jahrhunderts n. Chr. 

47. Ist er denn kein in sich geschlossenes Werk? 

Nein. Er besteht aus einem älteren, in Form 
eines Mid rasch (d. h. einer weitschichtigen Aus- 
legung) zu den fünf Büchern Mosis gehaltenen Werke 
und Stücken anderer Form und z. T. erheblich 
jüngeren Datums, die aber im allgemeinen auf den- 
selben Grundanschauungen fußen. 

48. Nenne einige dieser Nebenstucke! 

Siphra di-zniutha (das Mysterienbuch). 
Idra rabba (die große Versammlung). 
Idra suta (die kleine Versammlung]. 
Raaja meheirma (der treue Hirt). 1 ) 
Tikkune Sohar (Supplemente zum S,). 
Sohar chadasch (der neue Sohar). 

') So wird hier Moses genannt, wie im N. T. Christus, 



'3 

49. Welches ist das älteste von diesen? 

„Siphra di-znhitha". Das jüngste dürfte der 
aus verschiedenartigen Bestandteilen zusammengesetzte 
„Sohar chadasclr' sein. Das Alter der einzelnen 
Stücke ist schwer zu bestimmen. 

50. Wann und wo wurde der Sohar zuerst gedruckt? 

1558 (in Folio) zu Cremona, dann mit ab- 
weichender Textanordnung 1558 — 60 (in Quart) zu 
Mantua. Der letztgenannten Ausgabe schließe» sich 
die meisten späteren eng an, sogar bis auf die gleiche 
Zählung der Blattseiten. (Vgl. § 80.) 

51. Wie verhält sich der Sohar zu der bisherigen 

Kabbalistik? 
Er vereinigt deren sämtliche Bestandteile in oft 
sehr phantastischer Darstellung zu einem großen, in 
seinen einzelnen Teilen jedoch wenig ausgeglichenen 
Ganzen. 

52. Bringt er auch wesentlich Neues? 

Neu ist, dali die Methode der Vermittlung von 
Satz und Gegensatz durch ein drittes Prinzip (Thesis, 
Antithesis, Synthesis), die im Jezirah-Buche lediglich 
auf die Kosmogonie angewandt wurde (s. o. § ig), 
jetzt einen wesentlichen systembildenden Faktor für 
die gesamte Metaphysik ausmacht, (laß mit anderen 
"Worten der gesamte Emanationsprozeli durch die 
Funktion dieser drei Prinzipien erklärt wird. Neu 
ist im besonderen die Einkleidung dieses metaphy- 



KABBALjE DENUDAT^E 

T M V S SECVNDVS: 
ld eil 

L I B E R 

SOHAR 

RESTITUTIO 

Cujus content a^agtna verfa monßrabit. 

OPUS 

Omnibus genuine antiquitttis , & fublimio- 

-' " ics gentisdogmatum indagatoribus , nee non 

Chaßaicilingki.c, £• in tpudc Idiom-icisTcm Ifracliticat, 



tum Hcbraii 



AdumbiitioCAbbaJsEChnftianiadcipmmJudzorum. 
1 




FRANCOF^RTtt 

Sumftibuj JOANNIS DAV1D1S ZUNNER.L 

T/pii Balthasar. Christo™. Wujth &n. ifig 4 . 



_25 

sischen Vorganges in das Gleichnis eines Wider- 
streits zwischen einem männlichen und einem 
weiblichen Prinzip („Vater" und ,. Mutter"), deren 
Polarität durch ein drittes, vermittelndes Prinzip 
(„Sohn") ausgeglichen wird. 

53. Hat denn nicht schon Gikaulla (s. o. gg 30, 44) ein 

mannliches und ein weibliches Prinzip in 
der Wirksamkeit der Sephiroth unterschieden? 
Er hat wohl metaphorisch (bildlich) die seiner 
Ansicht nach sich mehr rezeptiv (empfangend) ver- 
haltenden Sephiroth als weiblich, die mehr produktiv 
(wirkend) sich verhaltenden als männlich bezeichnet, 
doch hat dieser Gedanke bei ihm noch keine 
systematische Kraft, und erst der Sohar führt den 
„Sohn", als Prinzip der Synthese des Männlichen 
und Weiblichen in den Sephiroth, unzweideutig und 
wirksam ein. 

54. Wie symbolisiert der Sohar die drei genannten 

Prinzipien noch? 
Das männliche durch den Buchstaben , (Jod) 
des Gottesnamens sttp (Jhwh), und außerdem durch 
die weiße Farbe; das weibliche durch den Buch- 
staben T, (He) und durch die rote Farbe, das ver- 
mittelnde Prinzip (Sohn) durch den Buchstaben 1 
(Waw) und durch die grüne Farbe. 1 ) 



') Giii 



die mittelste Farbe iles Rcgenbogens, 
eili die Farblosigkeit. 



55- Sind bei dieser Prinzipienlehre christliche Ideen 
von Einfluß gewesen? 

Wenn überhaupt, so nur in sehr geringem Maße 
und jedenfalls nicht in ihrer spezifisch christlichen 
Gestalt. Die Trinitätslelire, die man so gern aus 
Missionsinteresse im Sohar zu finden meint, ist selbst 
in der Form, wie sie sich in der ketzerisch -christ- 
lichen Mystik zeigt, von der Drei prinziplehre der 
Kabbalah sehr verschieden. In ihr bildet der „Vater" 
das dunkle, strenge, „zornfeurige", der zunächst aus 
ihm hervorgegangene „Sohn" das lichte, milde, der 
aus beiden hervorgegangene „Geist" das mildfeurige, 
weltdurchdringende und bewahrende Prinzip, während 
im Sohar dem „Vater" müde Langmut, der „Mutter" 
feurige Strenge, dem „Sohn" rettende Barmherzigkeit 
zugeeignet wird. 

Den Hauptein flu (.! haben vielmehr neuplatonische 
Spekulationen gehabt, die durch arabische Über- 
setzungen der griechischen Originale den jüdischen 
Autoren vermittelt worden sein dürften. 

56. Welche bemerkenswerte Lehre behandelt der 

Sohar außerdem noch ausführlich und gern? 
Die Lehre von der Seelen Wanderung oder Metem- 
psychose (Gilgul, vgl. u. § 151 ff.). 

57. In welchem Lande blühte gegen Ende der dritten 

Periode die Kabbalistik am meisten? 
In Spanien, ohne jedoch über die Anschauungen 




27 



wesentlich Neues hervor 




des Sohar hinaus etwas 
zubringen. 

58. Wo noch? 

Zum Teil auch in Italien, wo z. B. Anf, des 
14. Jahrhunderts Mcnacfwm aus Rekanate seinen be- 
rühmten kabbalistischen Kommentar über die 5 Bücher 
Mosis ganz im Anschluß an den Sohar schrieb. 

59. Was berechtigt uns, mit dem 16. Jahrhundert eine 

neue, die vierte Periode (oder das reifere 
Mannesalter) der Kabbalistik anzusetzen? 
1. Der Umstand, daß infolge der Vertreibung 
der Juden aus Spanien (1492) und der dadurch be- 
wirkten Auswanderung der zahlreichen Kabbalisten 
das Interesse für die Kabbalah eine weite Ver- 
breitung fand, vornehmlich in Palästina und Polen, 
doch auch in Italien und anderwärts.') — 2. Der 
Umstand, daß in dieser Zeit sowohl die systematische 
Ausgestaltung der kabbalistischen Spekulation, wie 
die Bearbeitung der Buchstabenmystik mit asketisch- 
ethischer und auch magischer Tendenz ihren Höhe- 
punkt erreichte. — 3. Der Umstand, daß erst von 
dieser Zeit an die kabbalistischen Lehren als solche 



') Hierzu kommt noch, dali die babbalistilchM Schlitten auch 
durch die Buclidriiclserkunst Melieren Kreisen zugänglich gemacht 
wurden, als bisher, so daS die KaMüilistifc von hier an eigentlich But 
noch insofern „Geheim Wissenschaft 1- ist, als die Bekanntschaft mit ihr 
durch die hebräische (beiw. aramäische] Sprache und die Dunkelheit 
des Ausdrucks für die meisten in hohem Grade erschwert ist. 



einer Anzahl von christlichen Gelehrten genauer be- 
kannt wurden und z. T. auf deren Ansichten einen 
erheblichen Einfluß ausübten. 

60. Wen kann man als Haupt Vertreter der systema- 

tisch-spekulativen Richtung der Kabbai istik 
in dieser Zeit bezeichnen? 

Mose [ben Jakob] Kordovero (1522 — 70), einen 
Schüler des (vornehmlich als Verfasser des jüdischen 
Ritualkodex „Schulchan Aruch") bekannten Joseph 
Karo zu Safed in Palästina. 

61. Wie heißt Kordovero's Hauptwerk? 

„Pardes rimmonim" (Granatbaumpark, vgl. 
Hoheslied 4, 3). Daneben hat er noch viele andere 
Schriften verfaßt. 

62. Welche Lehre hat er neu eingeführt? 

Die Lehre vom „Zimzum" (s. u. 98fr,). 

63. Wer ist der Hauptvertreter der asketisch -seh wär- 

me tischen Richtung? 
Der von seinen zeitgenössischen und späteren 
Anhängern nahezu vergötterte Isaak Lurja (1534 — 72), 
auch „der Löwe" (Art — AdonSnu Rabbi Jizchak, 
unser Herr Rabbi Isaak) oder Ri ha-kadösch (= Rabbi 
Isaak der Heilige) genannt. 

64. Welches sind seine Grundgedanken ? 

Daß man durch besonders intensive Andacht 
(„kewanah", Intention, Gedankenkonzentrierung) bei 



29 

der Ausübung religiöser Gebräuche, durch an- 
dauernde Vertiefung in den Sohar, durch aufmerk- 
sames Rezitieren gewisser kabbalistischer Formeln, 
zumal Gebete, verbunden mit .selbstvergessener Me- 
ditation und frommen Bußwerken, zu überirdischer 
Erkenntnis, Seelenkraft und Vollkommenheit gelangen 
und damit zugleich an der Erlösung der Welt mit- 
arbeiten könne. 




65. Welche Lehre behandelte er mit Vorliebe? 

Die Lehre von der .Seelenwanderung, die er in 
eigenartiger Weise noch weiter ausgestaltete, 

66. Hat er Schriften hinterlassen? 

Nein, er sagte vielmehr, daß, wenn er einem 
Gegenstande intensiv nachdenke, sich ihm die Quellen 
überirdischer Weisheit so übermächtig erschlössen, 



30 



daß ihm die Kraft zu schreiben völlig versage und 
er kaum imstande sei, zu sprechen, um wenigstens 
einen kleinen Teil des Geoffenbarten seinen Schülern 
kund zu tun. 

67. Wodurch wissen wir von seinen Lehren? 

Hauptsächlich durch die Aufzeichnungen seines 
bedeutendsten Schülers Chajjim Vidal [ben Joseph 
Calabrese], der 1543 — i6zo lebte und das viele, das 
er während seiner kurzen Jüngerschaft im letzten 
Lebensjahre Lurja's (157 1 — 5. Ab 1572) von diesem 
erfahren haben will, in seinen eigenen Schriften, 
zumal im „Ez chajjim" (Lebensbaum) aufbewahrt hat. 

68. Einige Beispiele für das große Ansehen Lurja's! 

Man sagte, er sei allnächtlich in die „himmlische 
Akademie" hinaufgefahren und habe dort die Offen- 
barungen höchster Weisheit empfangen, ferner hielt 
man seine Seele für einen „Funken vom Geiste Mosis" 
(s. u. § 150), ja, man meinte sogar, er sei der „Messias, 
Sohn Josephs", d. h. der Vorläufer des eigentlichen 
Messias (oder des „Messias, Davids Sohnes") gewesen, 
habe dies aber aus Bescheidenheit nicht offenbart. 
Auch wurde ihm eine Menge großer Wundertaten 
zugeschrieben. 

69. Wie urteilt ein moderner jüdischer Gelehrter über 

den Einfluß Lurja's und Vidal's auf ihre und 
die folgende Zeit? 
Bloch (s. o. Vorwort) sagt: „Isaak Lurja und 
Chajjim Vidal haben es hauptsächlich verschuldet, 



mystische, schwärmerische und abergläubische 
Vorstellungen, absonderliche und asketische Bräuche 
das ganze jüdische Leben infizierten und durchsetzten, 
daß der Sohar eine Verehrung- erlangte, die an Ver- 
götterung streifte, und daß eine öde, lang-atmige 
Literatur sich entwickelte, welche Sohar, Bibel 
und Talmud durcheinander wirbelte und die ab- 
geschmacktesten Hirngespinste zu Tage förderte." 

70. Nenne einige Anhänger der (spekulativen) Rich- 

tung des Mose Kordovero! 

Samuel Gallico, sein Schüler, Verfasser von 
„Assis rimmon" (Saft des Granatapfels, vgl. Hohes- 
lied 8, 2) — Asarja de Fano (Anf. d. 17. Jahrh.), 
Verf. von „Asarah maamroth" (Die 10 Worte) und 
„Pelach ha-rimmon" (Spalt des Granatapfels, vgl. 
Hohesl. 4, 3) — Nathan ben Satomo Spiro (starb 1633), 
Verf. von „Megalleh amukkoth" (Eröffnung der 
Tiefen, vgl. Hiob 12, 22) — Scheftel Horzvitz (Anf. d. 
17. Jahrh.), Verf. von „Schefa tal" (Fülle des Tau' s). 

71. Nenne einige Anhänger der Richtung Lurja's! 

Außer seinem Schüler Chajjim Vidal (s. o. § 67) 
z. B. Abraham de Herrera (starb 1639), Verf. von 
„Schäar ha-schamajini" (Pforte des Himmels, I. Mos. 
28, 17) — Napthalt [ben Jakob] Ekhanan (Mitte d. 
17. Jahrh.), Verf. des wunderlichen „Emek ha-melech" 
(Königstal, i.Mos. 14, 17) — Jesaja Horiuitz (s. u. § 72), 
endlich auch der berühmte und berüchtigte Sabbathai 
Zewi (um t666). 




-2. Wer von diesen hat die ethische Richtung vor- 
nehmlich ausgebildet? 
Jesaja Horwitz (1517), Verf. des berühmten 
Werkes „Sehne luchöth ha-berith" (Die 2 Tafeln des 
Gesetzes, 5. Mos. 9, of.). 

73. In wem erreichte die schwärmerische Richtung 
ihren Höhepunkt? 




In dem Pseudo- Messias Sabbathai Zewi, 
Kabbalisten aus Smyrna, dem fast das ganze kabba- 
listisch gesinnte Judentum zufiel. Selbst nachdei 
er (aus Furcht vor Hinrichtung durch die türkischi 
Obrigkeit) t666 zu Adrianopel zum Islam übergetretei 
war, erlosch die durch ihn hervorgerufene Schwärmerei 
nicht, ja, sie wurde durch begeisterte Missionare 
über Europa hin weit verbreitet und war noch i 
18. Jahrhundert eine geistige Macht. 



. 


Wer waren die 


Hau 


33 


er? 


ptgegner der Sabbathiai 




Der Amsterda 




Rabbiner Zebi Hirsch 


Asck- 




der 


von ihnen sogar aus seinem 








EIJLs.' 






Fig. 8 


.- ■ 


^ 

j^'" 




Amte getrieben w 


irde 


und sein berühmter 


Sohn, 


der 


Altonaer Rabbiner 


Jakob Hirschel Emden 


{1696 


bis 


1776), dem der Talmudismus in erster Linie den 


E 


iichoff. Kubbahb. 




3 















Sieg über die sabbathianisclie Ketzerei 
danken hat. 





75. Welcher berühmte Rabbiner jener Zeit stand : 
Verdacht sabbathianischer Neigungen? 

Der sonst geistig so hervorragende Talmudist 
und Prediger, auch in modernen Wissenschaften 
wohlbeschlagene Hamburger Rabbiner Jonathan Eibe- 
schütz (1690 — 1764), der sich dadurch Jakob Emdens 
grimmige Feindschaft zuzog. 

76. Was kennzeichnete den Sabbathianismus als 

„Ketzerei"? 
Vor allem der Umstand, daß er die Lehre des 
Sohar von dem "Wirken der drei Prinzipien „Vater, 
Mutter, Sohn" ('s. o. § 52) zu einer Trinitäts- und 
Messiaslehre ummodelte, die sich mit ähnlichen christ- 
lichen Anschauungen nahe berührte, indem die Gott- 
heit als dreieiniges Wesen gedacht wurde, das „den 
heiligen Urahn" (Vater), seine Verkörperung im 
„Messias" (und zwar in Sabbathai) und drittens die 
göttliche „Scheckinah" (den heiligen Geist) in sich 
schließe. 

77. Inwiefern bezeichnet der Sabbathianismus ein 

Ende der kabbalistischen Spekulation? 
Je mehr diese sich in der Richtung des 
Sabbathianismus fortbewegte, hatte sie sich auf 
einen Pfad begeben, auf dem sie vorwärts nur in 
das Taufwasser christlicher Bekehrer, rückwärts 
nur in die scharfgeschliffenen Schwerter ihrer tal- 



35 



mudistischen Gegner geraten konnte. Als Auswege 
blieben nur: nach links der Pfad der profanen 
Philosophie, vor dessen Betreten der Schild des 
Glaubens und der Turban der Schwärmerei abgelegt 
werden mußte — nach rechts das Einbiegen in 
die Sackgasse magischen Aberglaubens, vor deren 
Betreten es die Fackel der Spekulation auszulöschen 
und das Schwert der Dialektik fortzuwerfen galt. 

78. Was hatte gerade am Anfange dieser Periode 
christliche Theologen und Philosophen für 
die Kabbalah interessiert? 
Die Theologen glaubten in ihr den Beweis ge- 
funden zu haben, daß das Judentum trotz seiner 
Gegnerschaft gegen die christliche Religion doch 
schließlich, wenn auch auf krausen Umwegen, vom 
heiligen Geiste auf die Grundprinzipien der christ- 
liehen Dogmatik geführt worden sei, so dal.i es gerade 
durch seine so hochgeschätzte Geheimwissenschaft 
den Beweis für die Wahrheit des Christentums wider 
"Willen führen müsse. 1 ) — Die platonisierenden und 
zugleich naturwissenschaftlich interessierten Philo- 
sophen jener Zeit sahen in der Kabbalah eine will- 
kommene Vereinigung von theosophisch-metaphy- 



') In neuerer Zeit noch verfolgen Judenmissionstraktate ähnliche 
Zwecke, 1. B. Tholuck- Biese 11 thal's kritiklose „Ausiüge ans 
dem Sohar mit deutscher Übersetzung" (4. Aufl., Leipzig 1876), eine 
mit einet Anzahl Ergänzungen versehene Übersetzung einer lateinischen 
Arbeit Sommer's. 



sischem und naturwissenschaftlichem Monismus und 
glaubten hiermit der Lösung des Welträtsels auf der 
Spur zu sein. 

79. Nenne einige dieser christlichen Freunde der 

Kabbai ah! 

Johannes Pico von Mirandola (1463 — 04), Johannes 
Reuchiin (1455—1522), auch Agrippa von Nettesheim 
(1487 — 1535), denen sich Johann Pistorius und Christian 
Knarr von Rosenroth (-J* 1680, der Dichter des Liedes 
„Morgenglanz der Ewigkeif') als Übersetzer und 
Herausgeber kabbalistischer Schriften anschließen. 

80. Welche Schriften dieser Männer sind besonders 

bemerkenswert? 
Reuchiin 's Schriften „De verbo mirifico" (1494) 
und „De arte cabbalistica" iHagenau [513), Pistorius' 
Sammlung 1 ) „Artis cabbalisticae scriptores" (Basel 
1587) und Knorr's v. Rosenroth „Kabbala denu- 
data seu doctrina Ebraeorum transcendentalis et 
metaphysica atque theologica" (2 Bde, Sulzbach 1677 f. 
und Frankfurt 1084 [Bd. II Übersetzungen aus dem 
Sohar]).-) — Reuchiin begann sein epochemachendes 



angel mit Erläv 
dieses Buches. 

1 Siehe ob< 



tine Übers etzung des Jezirab-Buches 
von Talmudsliickeo bekannten (ge- 
iliarTs Leibarzte. Erheblich besser ist 
r (getauften) Professor Stephan Ritl- 
ausge geh eile lateinische Übersetzung 



Studium des Hebräischen (bei Leone da Modena) 
geradezu in der Absicht, die Kabbalah kennen zu 




lernen, und Rosenroth veranstaltete sogar auf eigene 
Kosten eine Ausgabe des Sohar (Sulzbacli 1684). 



8i. Nenne außerdem einige Philosophen, die von 
kabbalistischen Lehren wesentlich beeinflußt 
sind! 

Die Naturphilosophen Thcophrastus Paracet sus 
(1493— 1541), Johann Baptist van H ehnont (1577 — 1644) 
nebst seinem Sohne Frans Merkur van Helmoiit (vgl. 
§ ig, Anm.) und der „Philosophus teutonicus", 
Theosoph und Schumacher Jakob Bochvie aus Görlitz 
(1575— 1624; vgl. S. 43). 

82. Hat die Kabbalah auch auf das System des Bene- 
dikt (Biiruch) Despinoza bestimmenden Einfluß 
gehabt? 

Is. Misses und andere haben es behauptet; doch 
liegen die Ähnlichkeiten zumeist nur ganz allgemein 
in der monistischen Anschauung beider Systeme, 
sowie in dem ethischen Grundzuge der Spekulation 
(s. u, § 118). Wesentliche Lehren Spinoza's, wie 
seine Leugnüng der Willensfreiheit sind der Kabbalah 
fremd, ja geradezu entgegengesetzt (vgl. t; 132). — - 
Viel erheblicher ist jedenfalls der Einfluß des Cartesius 
und seiner Schule, besonders des Leidener Professors 
Arnold Geulincx, der Spinoza's Landsmann und 
Zeitgenosse war, und mit dem Sp. oft fast wörtlich über- 
einstimmt. — Formell vollends ist die phantastisch 
blühende und glühende, dabei oft wirre und dunkle 
Darstellungsweise der Kabbalah das direkte Gegen- 
teil der mathematisch - nüchternen, eiskalten und 
kristallklaren Demonstrationen Spinoza's. (S. 48.) 



n (oder dem 
sagen ? 



83. Was ist von dem letzten Stadium 

Greisenalter) der Kabbalistik zu sagen? 

Nachdem die Kabbalistik: in die §77 geschilderte 
Lage gekommen, ihr faustisches Streben so wenig 
befriedigend ausgegangen war, ergab sie sich, wie 
Goethe's verzweifelnder Denker, ganz der Magie und 
flüchtete in den dunklen Winkel des gegen Mitte des 
18. Jahrhunderts in Polen aufgekommenen Chasi- 
däismus, einer bornierten jüdischen Ultra-Orthodoxie 
voll Wunder- und Aberglaubens. 

84. Existieren heute noch Kabbalisten? 

Ja, und zwar meistens in den „halbasiatischen" 
Ländern wie Polen, Rußland, Galizien usw. als 
Wunder-Rabbi 's und deren Anhänger, sowie als 
sonstige Vertreter mehr oder minder krassen Aber- 
glaubens. 

85. Lehren diese Leute einen Blutaberglauben, d. h. 

eine abergläubische Verwendung von nicht- 
jüdischem Blute zu irgend einem mystischen 
Zwecke? 

Der Verdacht ist geäußert, aber nicht bewiesen 
worden. Das Vorgehen des Breslauer Rabbinats- 
kandidaten Bernstein, der sich durch einige Bluts- 
tropfen eines Christen knaben wegen religiöser Über- 
tretungen zu „entsühnen" gedachte, wurde von den 
Sachverständigen als subjektiver religiöser Wahn- 
sinn gekennzeichnet. 




86. Aber hat nicht der „Juden Spiegel" aus zwei kabba- 

listischen Schriften nachgewiesen, daß das 
Darbringen nichtjüdi sehen Blutes unter be- 
sonderen Zeremonien ein Gott wohlgefälliges 
Opfer sei? 
Diese und andere, von Professor Rohling zitierten, 
Stellen enthalten im Original nichts dergleichen, 
sondern erst in den Übersetzungen, mit denen Ahron 
Briman, ein Konvertit, den Paderborner Verlag des 
Judenspiegels, wie den Prager Professor hinter's 
Licht führte. 

87. Aber steht nicht etwas Ähnliches in dem Druck- 

werk „Gan naül" (Verschlossener Garten) des 
Rabbi Mendel aus Kossow? 
Der vor etwa 40 Jahren verstorbene Rabbiner 
Mendel Hager in Kossow (Österreich), auf den 
Rohling s, Z. hinwies, hat keine Schrift dieses oder 
ähnlichen Namens verfaßt. Außer dem gramma- 
tischen (Synonymen-)Werke „Gan naül - ' von Naph- 
thali Hersch Wes=ely (Wesel, 17^5 — 1803) vermochten 
die Sachverständigen des Prozesses Rohling-Bloch 
kein Druckwerk „Gan naül" zu finden und zu 
zitieren. 



88. Gibt es dennoch nicht noch andere Druckwerke 
mit dem Titel „Gan naül"? 

Ei freilich; die längst bekannten Bücher: 
1. Gan naül, biür debarim elahijjim be-ikrß ha- 
emunah („Verschlossener Garten, Erklärung 



_4j2 

göttlicher Worte über die Grundsätze des 
Glaubens"), Amsterdam 1629 u. ö. 
2. Gatt natll, al cholje' ha-naschim u-mahüth 
bethulah we-ha-bethulim u-mikr§hem („Ver- 
schlossener Garten, von den Krankheiten der 
Weiber, von der Natur der Jungfrau, von 
der Jungfrau schaft und ihren Kennzeichen"), 
Venedig 1707, Jeßnitz 1721 usw. 

89, Enthalten diese etwas über Blut o. dgl.? 

Das zweite allerdings, aber lediglich vom Men- 
strual- und Virgin itätsblut. 



90. Aber vielleicht gibt es ein kabbalistisches Manu- 

skript namens „Gau naül"? 
Freilichl Unter den hebräischen Handschriften 
der Münchener Hofbibliothek befindet sich (Nr. 57,3) 
ein bisher ungedrucktes Manuskript des Kabbalisten 
Abraham Abulafia (s. o. § 30, 34) mit dem Titel .,Gan 
naül" (oder auch „Ozar eden ganüs", der verborgene 
Schatz Edens). Es enthält einen Kommentar zum 
Buche Jezirah (s. o. § 17 fr.) mit höchst krausem 
Inhalte, aber keinen Blutaberglauben obengenannter 
Art. 

91. Könnte aber nicht trotzdem in irgend einem 

jüdischen „Weltwinkel" solcher Blutaberglaube 
bestehen? 
' Warum nicht, da Gelehrte wie Professor Strack 
sq unglaublich viel an seltsamem und auch religiös 





listik, soweit sie lediglich Religionsphilosphie ist, und 
mit dem offiziellen, staatlich anerkannten Judentume 
nichts zu tun. 



44 

92. Warum will denn das heutige Judentum mit der 
Kabbalah nichts mehr zu tun haben? 

Lesen Sie die „Aurora" des Jakob Böhme oder 
ein ähnliches theosophisch-naturphilosophisches Werk 
des 16. Jahrhunderts ganz durch, überschlagen Sie 
dann — falls Sie's vermocht haben — den religiös- 
sittlichen, wissenschaftlichen oder auch nur ästheti- 
schen Gewinn, den Sie als moderner Mensch davon 
gehabt, oder vielmehr nicht gehabt haben — so 
haben Sie die Antwort. 



DIE LEHRE DER KABBALAH. 



93- Ka 



1 denn von einer Lehre „der" Kabbalah 
reden trotz der Verschiedenartigkeit der 
einzelnen Entwicklungsstufen, Richtungen und 
Ansichten? 
Mindestens mit ebensoviel Recht wie von einer 
Unsterblichkeits-, Glaubens-, Erlösungslehre usw. der 
Bibel, einer Ethik des Talmud 11. dgl. m. Bei der 
Kabbalah liegen die Verhältnisse sogar bedeutend 
günstiger, da wir im „Sohar" (s. o. § 46 fr.) einen 
Höhepunkt und eine Zusammenfassung der wesent- 
lichsten kabbalistischen Lehren, sowie im „Pardes 
rimmonim" (s. o. § 61) eine Systematisierung dieses 
Materials besitzen, so dalä wir etwaige abweichende 
oder ergänzende Lehren nur noch einzufügen brauchen. 

94. In welche Teile läßt sich die Darstellung der 
kabbalistischen Lehren zweckmäßig zerlegen? 
In: 

1. Metaphysik der Kabbalah: 

Lehre vom Absoluten und seinen 
Emanationen. 



46 

2. Anthropologie der Kabbalah: 

Psychologie und Ethik. 

3, Magie der Kabbalah: 

Buchs t ab enmystik und „praktische 
Kabbalah". 

1. Abschnitt. 

(Metaphysik.) 

95. Was ist die Gottheit? 

Das Höchste, was sich überhaupt mit unserem 
Verstände denken läßt, das reine Sein oder das 
Absolute. Schon in dem klaren Begriffe des Aller- 
höchsten Hegt, daß es nur ein solches geben kann. 
Dieses reine Sein muß ferner im Gegensatz zur Viel- 
heit des sonst Denk- und Warnehmbaren vollkommen 
einheitlich in jeder Beziehung sein, weder zusammen- 
gesetzt, noch wandelbar. Im Gegensatz zu den end- 
lichen Dingen ist das Absolute oder die Gottheit 
unendlich, d. h. erhaben über Raum und Zeit, 
unbedingt, d. h. durch nichts anderes verursacht 
oder bestimmt, als durch sich selbst, sowie auch in 
seinem Wesen durch keine Bezeichnung'en bestimmbar 
(außer durch verneinende), daher unerkennbar, 
begreiflich. — Alles dies liegt in dem Ausdrucke 
„En soph" (das Unendliche, Unbedingte, Absolute). 

96. Woher ergibt sich aber, daß dieses Absolute nicht 

etwas nur Gedachtes, sondern etwas Wirk- 
liches (real Existierendes) ist? 




Daraus, daß das Höchste, was sich denken läßt, 
in jeder Hinsicht vollkommen, ohne Mangel sein muß, 
weil es sonst nicht das höchste Denkbare wäre. 
Ginge ihm aber die Wirklichkeit ab, so hätte es 
einen Mangel, wäre mithin nicht das Höchste. 

97. Ist dieser Begriff von der Gottheit nicht ganz 
pantheistisch ? 
• Im strengen Sinne des "Wortes ebensowenig wie 
bei den Neupia tonikern. Das „Eine" ist nicht zu- 
gleich „alles", d. h. „alle Dinge", sondern es ist vor 
allen anderen Dingen da, und trotzdem diese in ihm 
ihren Urgrund und Ursprung haben, bleibt es das 
Eine, Unteilbare, Unveränderliche. 

g8. Wie ist es trotzdem möglich, daß auch andere 

Wesen außer dem Absoluten, das alles wahre 

Sein umfaßt, noch ein besonderes Dasein 

haben? 

Mose Kordovero (s. o. § 60 ff.) hat dies durch 

die Lehre vom „Zimzum" zu erklären versucht. 

99. Was ist „Zimzum"? 

Man übersetzt es gewöhnlich mit „Selbst- 
zusammenziehung" oder „Selbstbeschränkung" (der 
Gottheit zu Gunsten der Welt, wodurch Raum für 
andere Wesen entstanden sei). Indessen die Kabba- 
listen warnen selbst davor, hier an einen räumlichen 
Vorgang zu denken, bezeichnen diesen Prozeß viel- 
mehr als übersinnlich (intelligibelj. 




Gottheit, d. h. dalä sich die eine, unteilbare, 
veränderliche Gottheit in sich selbst als Vielhi 



49 



widergespiegelt hat, ohne dabei in der Vielheit auf- 
zugehen, gleichwie etwa die Sonne dieselbe eine 
bleibt, wenn sie auch in unendlich vielen Lichtstrahlen 
und Lichtfunken erglänzt. 

101. Warum sagen denn die Kabbalisten nicht, wie 

z. B Spinoza, diese Selbst- Besonderung des 
Absoluten sei nur in unserem Denken vor- 
handen, das sich nur Endliches vorstellen 
könne, sondern verlegen diesen Vorgang in 
das Absolute selbst? 
Weil sonst die endlichen Einzeldinge, die einzelnen 
Besonderungen des Absoluten, nur für etwas Gedachtes, 
für bloßen Schein gehalten werden könnten. 

102. Von wem wird die Notwendigkeit einer Selbst- 

besonderung des Absoluten bereits (wenn auch 
ohne den Ausdruck „Zimzum") dialektisch 
begründet? 
Von Asriel bcu Mcnacltem (s. o. § 30 f.), der dies 
„die Kraft des Unendlichen zum Begrenzten" nennt. 
Er sagt: „Das Unendliche ist eine Vollkommenheit 
ohne jeden Mangel. Wer nun sagte, es habe un- 
endliche (unbegrenzte) Kraft, aber nicht die Kraft 
zum Begrenzten, der schriebe seiner Vollkommenheit 
einen Mangel zu." 

103. Ist nun das Resultat der Selbstbesonderung des 

Absoluten diese Welt der Erscheinungen? 
Das direkte Resultat sicherlich nicht. Denn aus 
dem Unendlichen, Einheitlichen, Einen und Unver- 
gänglichen kann nicht etwas so vielfach Beschränktes, 



Unharmonisches, Verschiedenartiges, Vieles und Ver- 
gängliches wie die materielle Welt unvermittelt 
hervorgehen. 

104. Wie druckt dies Asriel (g 102) aus? 
Er schreibt: „Wer da sagte, das Begrenzte, das 

zunächst von dem Unbegrenzten (Unendlichen) her- 
rührte, sei diese (materielle) Welt gewesen, würde 
ebenfalls dem Unendlichen einen Mangel zuschreiben, 
sintemal diese Welt doch der Vollkommenheit sehr 
ermang*elt. " 

105. Wie wird nun in der Kabbalah diese Schwierig- 

keit des Überganges von dem Unendlichen, 
Unbedingten zum Endlichen, Bedingten ge- 
hoben? 
Indem sie lehrt, daß von dem Unendlichen zu- 
nächst Spiegelungen ausstrahlten, die zwar nicht so 
rein geistig und vollkommen wie es selber waren, 
ihm aber doch nahestanden. Das sind die Sephiroth 
(s. o. § 26 f.) oder „schöpferischen Ur-Ideen". Von 
ihnen strahlen nun wiederum andere Kräfte aus, die 
minder vollkommen sind, von diesen wieder Kräfte 
etwas niederer Gattung, und so fort bis hinab zu 
den Elementen der materiellen Welt. 

106. Somit wäre nach der Kabbalah das Materielle 

nichts für sich, sondern nur Mangel an reinem 
Sein — abgeschwächte Ur-Energie? 
Ja! Die kabbalistische Ausstrahlungslehre (Ema- 
nationstheorie) ist philosophische Energie lehre, meta- 



physische Dynamik, in der die Gottheit oder das 
Absolute als reines Sein zugleich höchste Energie 
(actus purus) ist. 

107. 'Wie drückt Asriel (§ 102} dies aus? 

Er schreibt: „Das Begrenzte, das zuerst von 
dem Unendlichen (Unbegrenzten, Absoluten) herrührt, 
sind die Ur-Ideen (Sephiroth), welche die Kraft zum 
Vollkommenen und die Kraft zum Mang-elhaften in 
sich schließen. Wenn sie nämlich die Überfülle, die 
aus der Vollkommenheit des Absoluten strömt, 
empfangen, sind sie vollkommene Kraft, mangelt es 
ihnen aber an jener Ausströmung, so ist ihre Kraft 
mangelhaft, Sie haben daher das Vermögen, in voll- 
kommener und in mangelhafter Welse zu wirken. 
Vollkommenheit mir und Mangelhaftigkeit begründen 
den Unterschied der verschiedenen Dinge." 

108. Wodurch sind die Sephiroth zugleich oberste 

ordnende Kräfte? 
Da ihre Energie (KraftäulJerung) drei Stärke- 
Grade (Höchstmaß, Mittelmal,!, Tiefmaß) aufweist, 
gruppieren sich hiernach ihre Ausstrahlungen oder 
Emanationen in einer Reihenfolge. Wir denken 
dabei meist an das Bild einer absteigenden Stufen- 
folge. Der KabbaMst aber stellt sich den Vorgang 
lieber vor als fortschreitende Veräußerlichung der 
zentralen Ur-Energie. Jede minder vollkommene 
Ausstrahlung ist ihm daher die „Hülse" oder „Schale" 
(kelippah) der vorhergehenden, und die letzten 
4* 




5' 

(äußersten) Emanationen, d. h. die sog. „materiellen" 
Dinge, sind dann die „Schalen" des Ganzen und 
werden darum als „Kelippoth" Kat' ££ox^jv (im 
eigentlichsten Sinne) bezeichnet. (Man denke hierbei 
etwa an die den innersten Kern und eine die andere 
umhüllenden „Haute" der Zwiebel, deren äußerste, 
saftärmste die eigentliche „Schale" bildet.) 

109. Wie wird die Zehnzahl der Sephiroth dialektisch 

erwiesen? 

Da jedes Ding die Emanation oder Ausstrahlung 
einer entsprechenden höheren Kraft ist, kann man 
aus der Zahl der die materielle Welt beherrschenden 
Elementarkräfte auf die Zahl der Ur-Energien oder 
Sephiroth schließen. Jede Kraft nun hat (s. o. § 108) 
drei Energiestärken (Höchstmaß, Mittelmaß, Tiefmaß) 
und erstreckt sich nach drei Dimensionen (Höhe, 
Breite, Länge). Es ergeben sich somit g Kräfte, zu 
denen als zehnte die Schwerkraft kommt, also 
ganzen 10 Kräfte. Von dieser Zehnzahl der mate- 
riellen Kräfte ist auf die Zehnzahl der Urkräfte zu 
schließen. 

110. Woran erinnert dieses ruckschließende Verfahren? 
An das Verfahren Kant's, der aus der Zwölf zahl 

und Beschaffenheit der Urteilsformen auf die Zwölfzahl 
und Beschaffenheit der „Kategorien des reinen Ver- 
standes" schloß. 



53 



in. Welches sind nun die Wesensbezeichnungen 
und die Verhältnisse der zehn Sephiroth zu 
einander? 

Da die ganze Welt Kraft ausstrahlung der Gottheit 
ist, sind die dieser zunächst stehenden Ur-Ideen, die 
Sephiroth, geistig-sittliche Kräfte, was sich auch in 
ihren Namen kund tut (s. u, § 119), Sie sind in 
3 Gruppen zu je 3 Sephiroth geordnet, während die 
lote Sephirah den Durchgangspunkt zu der nächst- 
unteren „Welt" oder Emanationsstufe bildet. In 
jeder dieser 3 Gruppen haben wir ein positives 
(thetisches, i m Sohar: „männliches"), ein negatives 
(antithetisches, im S. : „weibliches") und ein aus- 
gleichendes (synthetisches, im S.: „Sohn"-) Prinzip. 
— Der leichteren Übersicht halber stellt man in dem 
Sephiroth - Schema gewöhnlich alle „männlichen" 
Prinzipien rechts, alle „weiblichen" links, alle aus- 
gleichenden in die Mitte, so daß drei senkrechte 
Reihen oder „Säulen" entstehen und das ganze eine 
Art Baum bildet „Ilan" ("b\\), den „kabbalistischen 
Baum" (Arbor cabbalistica), dessen Gipfel die höchste 
(1.) Sephirah und dessen Wurzel die 10. Sephirah ist. 1 ) 

') Der Vergleich mit einem Baume ist zunächst auffallend, da 
die Emanation ja von oben nach unten geht, dieser „Baum" also 
vom Gipfel nach der Wurzel zu wächst. Indessen die ethische 
Tendenz des kabbalistischen Denkens, die (s. □. § 1 1 7, 127) auf eine 
Entwicklung aus dein Unvollkommenen nach dem Vollkommenen, 
auf ein Hineinwachsen aus unserer irdischen in die himmlische 
Welt hinausgeht, läßt den Vergleich doch wieder treffend erscheinen. 
Geht der metaphysische Prozeß von oben nach unten, so das ethische 
Streben von unten nach oben zurück. 



54 



ii2. Wie sind nun die 10 Sephiroth zur „Arbor cabba- 
listica" gruppiert? 
In folgender Weise: 



3- 
Binah 

(praktische Vernunft) 



Geburah 

(Stärke) oder: 

Diu 

(strenges Recht) 



I. 

Ktiher 

(Krone) oder: 

Rum mäalah 

(oberste Höhe) 



6. 
JTiphereth 

(Herrlichkeit) oder: 

Rachamim 

(Barmherzigkeit) 



2. 

Chochmah 

(theoret. Vernunft) 



Gedullah 

(Größe) 
oder: 

Chised (Liebe) 



< 



c 

ö 

•1 
o 



<t 

3 
•1 
et 



8. 

(Pracht) 



* » ff o 

2 £J S O «, 



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(Fundament) 



I 5 



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p: ^ 



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3 



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IO. 

Malkuth 

(Reich) 



Nieach 

(Festigkeit) 









8. Q e £5. 

1» » ? 



9» 

•1 



(Emanationsstuten) des Universums, deren übrige Namen 
dem Bibelverse Jesaja 43,7 entnommen sind. 

114. Wie heißen die anderen drei Welten? 

Unter der Azilah-Welt steht zunächst 2. die 
„Welt der Schöpfung" (Beriali), unter dieser 3. die 
„Welt der Ausgestaltung" (Jezirah), unter dieser 4. 
die „Welt der Verfertigung (Asijjah). [Vgl. auch 
§ "4»f-J 

115, Wie sind diese organisiert? 

Sie zerfallen ganz analog der Welt der Sephiroth 
(Azilah) eine jede in io, den Sephiroth entsprechende 
„Differenzierungen" oder Unter -Sphären, die übrigens 
auch geistiger Natur sind, haben also der Form nach 
eine gleiche Organisation, nur daß jede folgende, 
tieferstehende „Welt" minder geistig-rein, vielmehr 
gröberer Natur als die vorhergehende, über ihr 
stehende, und so eieren „Schale" (Kelippah) ist. 

116. 1 ) Aber die unterste (Asijjah-) Welt ist doch die 
' materielle Welt? 
Aber auch sie enthält geistige Elemente, wenn 
auch auf der untersten Stufe und in sehr getrübter 
Form. Die Materie ist eben für die Kabbalistik 
nichts Selbständiges, Ursprüngliches, sondern (s. o, 

') § 116 — 123 mag, wer Anfänge! iu diesen philosophischen 



57 



§ 106) nur ein un, öv, ein Mangel an rein -geistigem 
Sein, wie das Dunkel nur ein immer größerer Mangel 
an Licht ist. Da die Kabbalah einen absoluten 
Dualismus (eine grundsätzliche Verschiedenheit) 
zwischen Geist und Materie nicht kennt, sondern 
durchaus monistisch ist, können nach ihrer Lehre 
selbst die materiellen Elemente (die „Kelippoth 1 * [§ to8j 
im eigentlichen Sinne) nicht bloße, tote Materie 
sein. Alles ist ja Emanation des Ur-Einen, des reinen 
Geistes, alles daher beseelt, wenn auch in ver- 
schiedenen, absteigenden Graden! 



117. Aber die materiellen Elemente und Wesenheiten 

(Kelippoth) werden doch zu den geistigen 

Elementen und Wesenheiten (zumal den 

Sephiroth) in Gegensatz gebracht? 

Jawohl, aber in demselben Gegensatz, wie das 

Unklare zum Klaren, das Trübe zum Hellen, das 

Unfertige zum Fertigen, das Unvollkommene zum 

Vollkommenen, das Unbewußte zum Bewußten usw. 

Wäre der Gegensatz ein absoluter, so konnte von 

dieser unteren Stufe keine Entwicklung nach oben, 

zum Klaren, Vollkommenen stattfinden, worauf gerade 

die kabbalistische Ethik beruht. Durch die ganze 

Metaphysik der Kabbalah geht ein ethischer 

Grundzug, daß nämlich auch die niedrigsten 

Elemente noch Ausstrahlungen des Ur-Einen, noch, 

wenn auch in Schwachheit, Geist von seinem Geiste 

sind. 



ii8. An welchen Philosophen erinnert dies? 

An Spinoza, der sein Hauptwerk — trotzdem es 
vornehmlich Metaphysik und rationale Anthropologie, 
insonderheit Eikenntnistheorie und Affektenlehre, 
eigentliche Ethik aber nur als intellektuelle Tugend- 
lehre auf beschränktem Räume enthält, — dennoch 
„Ethica" nannte, weil Grundgedanke und Ziel des 
Ganzen ethischer Natur sind. 
119. Weise genauer die Vereinigung von Metaphysik 

und Ethik in dem Organismus der Sephiroth- 

Lehre nach! 
1. Die drei obersten Sephiroth bilden (vgl. § 112) 
das „Vernunftreich", weil die Vernunft das 
Höchste nach dem Absoluten, deshalb seine erste 
Emanation ist. Wenn anders die Welt als ein 
Organismus gedacht werden muß, so ist ihr höchstes 
Prinzip, das alles entwickelt und ordnet Vernunft. 
Der theoretischen Vernunft (Ckochmah), welche 
die Ideen denkend ordnet und sozusagen die Welt 
als Vorstellung in sich schließt, steht gegenüber die 
praktische Vernunft (Binah), die diese Ideen ver- 
arbeitet, sozusagen die Welt als Willen repräsentiert, 
beide aber sind vereinigt in der höchsten Ver- 
nunft (Rum mhalah), der alle Vernunft kraft in sich 
befassenden und alle Ideen unmittelbar aus sich 
heraussetzenden Intuition, deren Attribute sie gewisser- 
maßen sind, 1 ) 

») Einzelne Kabba 
alle Sephiroth und Beliei 




59 

2. Dem Reiche des Denkens und Wullens ent- 
strömt das Reich des Fühlens und Empfindens, das 
„Seelenreich" (s. o. § 1 1 z). Empfunden werden 
Quantität und Qualität, die ihre höhere Einheit in 
dem Ebenmaß haben, Metaphysisch ausgedrückt, 
ist dies die Vereinigung von Große (Gedullah) und 
Stärke oder Intensität (Geburah) in der Herrlich- 
keit des schonen Ebenmaßes (Tiphiretk); ethisch 
gefaßt, die Vereinigung der weitherzigen, vieles um- 
fassenden Liebe (Chised) und des durch seine 
Intensität wirkenden strengen Rechtes (Diu) in 
der Barmherzigkeit (Rachaniim), die sowohl ein 
umfassendes Gefühl der Neigung, wie ein starkes 
Gefühl für Recht einschließt oder zu Attributen hat. 

3. Dem Reiche des Empfindens entströmt das 
„Reich der Natur", d. h. der Prinzipien der Er- 
scheinungswelt. Hier linden „Festigkeit" (Nizach), 
d. h, das Vermögen des Beharrens, das Stoffprinzip, 
und „Pracht" (Hod), d. h. das Vermögen der Ent- 
wicklung, das Kraftprinzip, ihre höhere Einheit in 
dem „Fundament" (Jes&d), d. h. der Substanz. 

120. Wie kommt es, daß auffallenderweise gerade die 
ruhigen Prinzipien (Chochmah, Chesed, 
Nezach) oder die „Säule der Gnade" fa. o. § 112) 
als „männliche", die beweglichen, intensiv sich 
äußernden (Binah, Din, Höd) oder „die Säule 
der Stärke" als „weibliche" bezeichnet werden? 

und Binah noch Daath (Verstand, Denken), ohne dies jedoch mit- 
zuzählen, vielmehr als Abglanz der Sephirah „Kether". 




6o 

i. Die letztgenannten werden mit Fug als aus 
den erstgenannten hervorgehend gedacht, gleichwie 
Eva aus dem Leibe Adams; denn Beweglichkeit hat 
Ruhe, Wille hat Vorstellung, Intensität hat Exten- 
sität, Kraft hat Stoff zur Voraussetzung. 

2. Da jene zweiten Prinzipien (Binah usw.) die 
ersten {Chochmah usw.) nicht nur zur Voraussetzung 
haben, sondern auch von ihnen erst den Stoff ihrer 
Tätigkeit erhalten, sind sie diesen gegenüber rezeptiv 
(empfangend), wie das "Weib gegenüber dem Manne, 
daher (trotz ihres Namens „Säule der Stärke") weib- 
licher Art. 

3. Die Natur des "Weibes (zumal in östlichen 
und südlichen Ländern) ist beweglicher und heftiger, 
als die des Mannes. 

121. Warum wird das jeweilige mittlere Prinzip auch 
„Sohn" genannt, trotzdem es doch über den 
beiden anderen steht, sie zu Attributen hat, 
ja sogar nicht nur als ihre höhere Einheit, 
sondern auch als ihr Ursprung gedacht 
wird? 

1. Der Begriff „Sohn" (Kind) erzeugt logisch 
erst die Begriffe „Vater" und ,, Mutter", ebenso er- 
zeugen die Prinzipien der „mittleren Säule ü logisch 
die der beiden anderen „Säulen" (§§ in, 112). 

2. Der Sohn pflegt auch physisch die getrennten 
Eigenschaften von Vater und Mutter zu vereinigen. 



* 3- Ein Sohn (Kind) ist endlich in ethischer 
Hinsicht das geeignetste Bindeglied zwischen den 
Eltern. 

122. Was besagt die Bezeichnung der zehnten Se- 
phirah, „Reich" (Malkuth)? 
Diese Sephirah bildet gewissermaßen das Grenz- 
reich, den Durchgangspunkt zu der nächst-unteren 
Emanationsweit Beriah (s. o. § 114). Auch in der 
für sie ebenfalls vorkommenden Bezeichnung Atiretk 
(Kranz) liegt der Begriff des Bindens und Verbindens, 
zugleich auch die Andeutung der niederen Stellung 
dieser Sephirah im Gegensatz zu den höchsten 
(Kether, Krone). Wie der Kranz zwar (als Haupt- 
schmuck) auch noch zum Bereich der „Krone" 
hört, aber doch hier den geringsten Rang einnimmt, 
_ so gehört auch die ' zehnte Sephirah noch zu den 
obersten Emanationen, ist aber deren letzte. 



123. Was ist von dem oben (§ 109) angeführten 

Vergleiche der zehnten Sephirah mit der 
Schwerkraft zu sagen? 
Wie diese nach unten strebt und die anderen 
Kräfte nach unten zieht, so vermittelt die 10, Sephirah 
den Übergang zu den tieferstehenden Emanations- 
stufen, 

124. Was enthalt die Welt „Beriah" (s. o. § 114)? 
Sie enthält die (zehn) Urformen oder Ideen der 

geschaffenen Dinge. Diese Ideen werden ähnlich 



wie im Piatonismus und Neuphitonismus ; 
intelligente Wesen aufgefaßt. 

125. Was enthält die nächst-untere Welt „Jezirah"? 
Die himmlischen Sphären nebst den Engeln und 

Seelen. (Vgl. die Seelenlehre im 2. Abschnitt.) 

126. Was enthält die unterste Welt „Asijjah"? 

Sie ist die Welt der Erscheinungen, des Mate- 
riellen im kabbalistischen Sinne (s. o. § 116). 

127. Wie verhalten sich die vier Welten der ab- 

steigenden Emanation zu einander? 
Sie stehen unter sich und in ihren Teilen in 
enger Verbindung und Wechselwirkung geistiger 
Art, Darum ist auch eine geistige Erhebung von 
den unteren Dasein sstuf'en in die höheren Regionen 
möglich, und so kann sich denn auch der Mensch aus 
dem Kreise des ihn umgebenden Materiellen in 
reinere geistige Sphären erheben. 



2. Abschnitt. 
(A 11t Itrop o/ogie .) 
128. Sind die psychologischen und ethischen Lehren 
der Kabbalah scharf voneinander getrennt? 
Nein; sie sind vielmehr eng miteinander ver- 
bunden, und die psychologischen Lehren sind nicht 
Selbstzweck, sondern stehen fast ganz und gar im 
Dienste der Ethik. 



i2g. I" welcher Weise steht die Seelenlehre der 
Kabbalah mit der Sephiroth-Lehre in Ver- 
bindung? 
Die drei „Teile" oder richtiger Funktions- 
prinzipien der Seele — neschamah, die vernunft- 
begabte Seele; rüach, die empfindende Seele; niphesch, 
die vegetative Seele oder die Seele als belebendes 
Prinzip des Körpers — entsprechen den drei Haupt- 
gruppen der Sephiroth — Vernunftreich, Seelenreich, 
Naturreich, s. o. § 112 — haben in ihnen ihren 
letzten Ursprung und stehen unter ihren Einflüssen. 
Der nach unten "wirkende Einfluß der 10. Sephirah 
(s. o. § 100, 122 f.) kann sich insofern geltend 
machen, als die Seele unter gewissen Bedingungen 
auf eine niedere Daseinsstufe als ihre bisherige ge- 
langen kann. 

130. Besteht die Seele etwa aus drei Wesen? 

Nein. Gleichwie die Sephiroth trotz ihrer Zehn- 
zahl oder die Sephiroth-R eiche trotz ihrer Dreizahl 
einen in sich geschlossenen „WeIt"-Organismus 
bilden, so ist die Seele trotz ihrer sog. „Teile" ein 
in sich geschlossener Mikrokosmos, ein organisches 
Ganzes. 

131. Welche ethische Bedeutung hat diese Lehre, daß 

die Seelen von den Sephiroth abstammen und 
beeinflußt werden? 

Es ist hierdurch eben die Möglichkeit erklärt, 
daß sich die Seele durch geeignetes Verhalten und 



Tun von Ihren materiellen Beschränkungen und Un- 
vollkommenheiten befreien und in höhere, reinere 
Geistesregionen erheben kann (vgl. tjfc; 117, 127). 




13a. So lehrt die Kabbalah eine sittliche Freiheit der 
Seele? 

Jawohl, im Gegensätze zu anderen monistischen 
Systemen, zumal zum Spinozismus (s. o. $} 82), Das 
ist ein sehr wichtiger Punkt 1 

133- Widerspricht dies aber nicht der Grundan- 
schauung, daß sämtlichen Emanationsprozessen 
des Absoluten, also auch dem Dasein und 
Verhalten der Seele, eine metaphysische Kau- 
salität zu Grunde liege? 
Die Kabbalistik erkennt diesen Widerspruch nicht 
an, erwähnt ihn sogar kaum einmal. Für sie hat in 
ethischer Hinsicht die Seele kraft ihrer Abstammung 
aus der oberen Welt einen in ihrem Wesen begrün- 
deten Drang nach ihrem Ursprünge hin, eine natür- 
liche Tendenz zur Vervollkommnung, einen ein- 
geborenen Willen zum Guten, der wohl Schwächungen 
unterliegen kann, schließlich aber doch sich durch- 
setzen und an sein Ziel gelangen wird. 



134. Wodurch ist dies zu beweisen? 

Nach de r Lehre der Kabb alisten werden schließ- 
lich alle Seelen sdi^, d. h. sie kehren alle in die 
höheren Regionen zurück, von denen sie ausgegangen 



66 



sind. In ähnlicher Weise lehrte auch der Kirchen- 
vater Origenes eine cbroKccräGTCtöic, nävraiv (Wieder- 
besetigung aller). 

135. Wieso ist aber ein Mangel oder Nachlassen an 

solchem Streben nach oben der Seele als 
„Sünde" oder Schuld zuzurechnen? 
Weil die Möglichkeit (das Können) des Empor- 
strebens ethisch ein Sollen einschließt. Weil ihr 
Wesen Energie ist (vgl. § 106), so hat die Seele die 
Bestimmung, alle Hindernisse zu überwinden. Da 
die Möglichkeit, dies zu tun, in ihrem Wesen liegt, 
so ist es ihre Schuld, wenn sie nicht demgemäß 
handelt. 

136. Ist die Seele im eigentlichen Sinne „geschaffen" 

zu nennen ? 
Nein, sie ist eine Emanation der lebendigen Ur- 
kräfte oder Sephiroth und durch deren Vermittlung 
im letzten Grunde eine, wenn auch spätere, Emanation 
des Absoluten. 

137. Wann ist die Seele entstanden? 
Als Emanation des Absoluten ist sie der MÖg- 

lichkeit nach von Ewigkeit her in diesem gewesen, 
hat in ihm eine „ideale Präexistenz" (ein der 
Idee nach vorhandenes Sein vordem irdischen Dasein) 
gehabt. Andererseits hat sie aber auch eine „reale 
Präexistenz" {ein selbständiges vor-irdisches Dasein) 
aufzuweisen, da nach der Lehre der Kabbalisten alle 




Seelen zugleich in einem gewissen Zeitpunkte „ge- 
schaffen" worden sind. Die Seele ist also einerseits 
ewig, andererseits hat sie einen Anfang gehabt, und 
zwar vor jeder körperlichen Existenz. 

138. Wo hat sich die Seele vor ihrem körperlichen 

Dasein befunden ? 
Zuletzt wenigstens (s. u. § 146) in der Jezirah- 
Welt (s. o, § 125) und zwar, wie die Kabbalisten im 
Anschluß an talmudische Prä ex ist enz an sichten lehren, 
in einem Räume der Himmelssphäre „Araboth", der 
„Güph" heilät, 

139. Sind dieser Lehre zufolge bereits alle Seelen in 

die irdisch-körperliche Existenz eingetreten? 

Nein, eine Anzahl Seelen wartet noch hierauf. 

140. Was ist aus den bereits herabgekommenen 

Seelen geworden? 
Ein Teil befindet sich in der ersten irdischen 
Existenz, der größere auf der Seelen Wanderung durch 
verschiedene aufeinander folgende irdische Existenzen, 
ein Teil ist bereits zu höherem Dasein eingegangen. - 

141. Und zwar wohin? 

Hierüber wird Verschiedenes gelehrt. Das End- 
ziel der ganz vollkommen gewordenen Seelen ist 
nach der konsequentesten Ansicht das schließliche 
Einmünden in das Absolute, den „Ozean der Gott- 
heit". (Vgl. § 116.) 

5* 






142- Wie ist die Natur der Seelen in ihrer vor- 
körperlichen Wesenheit (realen Präexistenz) 
gedacht ? 
Als „mannweiblich", d. h. geschlechtlich noch 
indifferent. (Bei Plato, sowie in Talmud und Midrasch 
wird der Leih des ersten Menschen so gedacht!) 

143. In welchem Zustande befinden sich die Seelen 

während ihrer vorkörperlichen Existenz? 
In bewußtem Zustande. Sie haben Kenntnis 
von den Ideen (vgl. §§ 124, 146), so daß, wie bei 
Plato, alles irdische Wissen nur Rückerinnerung - an 
dieses präexistentielle Wissen ist. 

144. Zu welchem Zwecke kommen die Seelen in 

das irdisch-körperliche Dasein? 
Zum Zwecke ihrer Vervollkommnung!" 

145. Also nicht zur Strafe, wie nach der platonischen 

und anderen Präexistenzlehren? 
Nein. Wenigstens ist dies weder überhaupt jüdi- 
sche, noch ursprünglich auch kabbalistische Meinung. 
Die Seelen werden vielmehr sündlos in die Leiblich- 
keit hinabgesandt, damit sie sich hier im Kampfe 
mit der Sinnlichkeit, der Materialität, bewähren und 
dadurch zur Vervollkommnung gelangen. Diese muß 
also durch eigene Anstrengung von ihnen erworben 
werden. 



6 9 



146. Wird nicht aber auch gelehrt, daß die Seelen 
in der Präexistenz gesündigt hätten und 
darum in Körper gelangt seien? 





Ja und nein. Vornehmlich in der Schule Lurja s 
(s. O. § 63 ff.) findet sich die Ansicht vor, daß 
sprünglich alle Seelen in derjenigen des präexistenten 
„ersten Menschen", d. h. in der Idee des Menschen, 
vereinigt gewesen seien und daher mit dessen erster 
„Sünde" zugleich gesündigt hatten, und daß sie des- 
wegen zwar nicht eigentlich zur Strafe, sondern zur 
Läuterung in diese Welt gelangt seien, nachdem sie 
zuvor schon in der Welt „Beriah" (s. o. 114, 124) 
mit der idealen Form der Leiblichkeit angetan ge- 
wesen. 



147. Was ist denn von jener präexistentiellen „Sünde" 

zu denken? 
Die indischen, griechischen und christlich-häre- 
tischen Präexistenz lehren, die einen präexistentiellen 
Sündenfall der Seelen annehmen, bewirkt durch eine 
unordentliche Sehnsucht nach dem Materiellen, wes- 
halb die Einkörperung dieser Seelen erfolgt sei — 
jene Lehren mögen von Einfluß auf diese Anschauung 
von dem Sündigen aller Seelen im „ersten Adam" 
gewesen sein. Vor allem aber scheint die paulinische 
Erbsündenlehre(„Adam,in dem alle gesündigt haben"), 
ohne dem R. Lurja als christlich bekannt zu sein, 
mitgewirkt zu haben. 

148. Ist sie überhaupt „Sünde"? 

Individuelle, schuldhafte Sünde der Seelen keines- 
falls, da ja diese, als sie angeblich „in Adam" 




sündigten, noch keine selbständigen Existenzen waren, 
noch gar nicht frei wählen und handeln konnten. 
Es kann sich daher hier nicht um eine schuldhafte 
Tat handeln, sondern nur um den Ausdruck einer 
metaphysischen Wesensminderung, welche die Seele 
beim Hinabgehen in die Welt des Materiellen not- 
wendig zunächst erfährt. Da dies aber ein notwen- 
diger Prozeß ist, kann er weder Sünde noch Sünden- 
strafe sein, zumal die Kabbalistik wie das ganze 
Judentum lehrt, daß es Strafen nur geben, könne, wo 
wirklich gesündigt ward. 1 ) 




14g. Sind dei 



nschlichen Seelen nicht 



mit Sünde behaftet? 
Allerdings. Diese Sünde ist aber erst ein Ge- 
schehnis des irdisch-materiellen Daseins und eigentlich 
nicht sowohl ein Tun, als ein Unterlassen, nämlich 
ein völliges oder teilweises Unterlassen des Strebens 
nach oben, nach geistig-sittlicher Vervollkommnung. 
Die Sünde ist also, wie fast in jedem. Monismus, im 
Grunde etwas Negatives, eine Privation, aber an- 
gesichts der objektiven Fähigkeit der Seele fs. o. 
§ 133 ff-) zum Höheren, Guten ist sie ein schuldhaftes 
Unterlassen, eine negative Willenstat. Je nach der 
geringeren oder größeren sittlichen Stärke des 
Willens sind alle Menschen mehr oder minder 
sündhaft. 



') Nicht aber, 1 
^rhängnis! 



:n, Strafe für 



72 



150. Wie können aber die Seelen trotz dieser Sünd- 

haftigkeit zur sittlichen Vollendung ge- 
langen ? 
Indem sie so lange im irdischen Dasein bleiben 
müssen, bis sie die materiellen Mängel überwunden 
haben und ans dem Kampfe mit der Unvollkommen- 
heit endgültig als Sieger hervorgegangen sind, 

151. Wie geschieht das? 

Durch die Seelenwanderung (Gilgul, s. o, § 56). 



152. Woher stammt der Gedanke der Seelen - 

Wanderung? 
Aus dem indischen Brahmanismus, von dem er 
ku den Ägyptern und zu den Griechen gekommen 
ist. Vornehmlich wurde er im Piatonismus und Neu- 
platonismus ausgebildet. Aus dem Neupiatoni smus 
scheint er in die Kabbalah gelangt zu sein. 

153. Wodurch unterscheidet sich aber die Seelen- 

wanderungslehre der Kabbalah von der ge- 
mein-griechischen ? 

Sie nimmt im Gegensatz zu dieser für alle 
Menschen die Notwendigkeit einer mehrmaligen 
Seelenwanderung an, da sie der Ansicht ist, daß ein 
Menschenleben zur Erlangung der notwendigen sitt- 
lichen Vollkommenheit nicht genüge, wie dies auch 
in der indischen Metempsychosen lehre sich findet, zu- 
mal in der buddhistischen. 



73 



154- Wodurch unterscheidet sich aber die kabba- 
listische von der buddhistischen Seelen- 
wanderungslehre ? 
Nach der Kabbalah geht die ganze Neel<-> in 
die neue Daseinsform ein, nach dem Buddhismus 
(der die Substantialität der Seele leugnet) vergeht 
beim Tode die „Persönlichkeit", d. h. das Aggregat 
von gewissen Eigenschaften, die bisher der Seele zu- 
kamen, und es geht nur die Grund-Individualität der 
Seele, der „Wille zum Leben", in das neue Dasein 
über, um sich hier jedesmal von neuem geeignete 
Qualitäten zuzulegen. 

155. In was für Körper gelangt die Seele nach dem 
Tode? 

In solche, die der von ihr bis zur Stunde des 
Todes erreichten geistig-sittlichen Vervollkommnungs- 
stufe entsprechen, d. h, in höher oder niedriger als 
bisher organisierte Menschenleiber, oder in Tier- 
(Säugetier-, Vogel-, Fisch-, Amphibien-, Insekten- oder 
Weichtier-) Körper, ') oder in Pflanzen und Blätter, ja 
sogar in Steine, Lehm, Staub, Wasser oder selbst 
Gerätschaften, Viele Kabbalisten bleiben bei der 
Metempsychuse in Menschen- (oder höchstens höhere 
Tier-) Leiber stehen. 



I 



l l Nach der Meinung 1 





74 



156. Auch in Leiber anderen Geschlechts? 
Auch das gilt als möglich [vgl. § 18a), obwohl 

meistens angenommen wird, daß in der Regel bis- 
herige Männerseelen wieder in männliche, Weiber- 
seelen in weibliche Körper kommen. {In ähnlicher 
Weise wird angenommen, daß zuweilen jüdische Seelen 
in nichtjüdische Leiber, nichtjüdische in jüdische Leiber 
wandern können.) 

157. Kommen die wandernden Seelen lediglich in 

Embryonenkörper, oder auch in solche von 

lebenden Erwachsenen? 
Im allgemeinen wird das erste angenommen; doch 
soll auch das andere möglich sein, worauf sich die 
Lehre von der „Ibbur" (s. u. § löoff.) bezieht. 



158. Kommen die Seelen sofort nach dem Tode 
ihres bisherigen Leibes in andere Leiber 

oder nicht? 
Die überwiegende Meinung scheint die zu sein, 
daß die Seelen vielmehr längere oder kürzere Zeit 
auf Erden körperlos umherwandeln, bis sie einen 
Körper finden, der ihrer derzeitigen Verfassung ge- 
nau entspricht oder in Zukunft entsprechen wird. 



15g. Kann eine Seele auch zu gleicher Zeit sich in 
verschiedene Leiber verteilen? 
Ja. Wenigstens kommt die Anschauung vor, 
daß eine Seele (zumal die eines weisen und guten 



75 

Mannes) sich zum Heile der Menschheit in eine An- 
zahl ,, Funken" teile, die dann Seelen hervorragender 
Männer würden. Nach anderer Ansicht sind diese 
„Funken"-Seelen nicht Bruchteile, sondern dynamische 
Ausstrahlungen der vervollkommneten Seelen großer 
Männer. 1 ) 

160. Können auch zwei oder mehr Seelen zugleich 

in einem Leibe sein? 
Zu der eigentlichen Seele des Leibes kann noch 
eine andere, oder es können sogar viele andere Seelen, 
deren Leiber verstorben sind, als eine Art Nebenseelen 
hinzukommen und sich auf längere oder kürzere Zeit 
mehr oder weniger innig mit der Hauptseele ver- 
einigen. Das ist die sog. ,,Ibbur" oder „Seelen- 
schwängerung". 

161. Wann und wozu geschieht die „Ibbur"? 

i. Wenn eine Seele trotz redlichen Wollens oder 
aus Unkenntnis sich nicht genügend zu vervoll- 
kommnen vermag, gesellen sich zu ihr eine oder 
mehrere (nach dem Tode ihres Leibes) umherwallende 
Seelen bereits vollkommener Gewordener, um ihr 
beizustehen. Es ist dann, wie auch wir sagen, als 
ob auf einmal ,,ein ganz anderer Geist in den Menschen 
gefahren wäre". Jst er sittlich genügend erstarkt, so 
kann diese Nebenseele (können die Nebenseelen) ihn 
wieder verlassen, ohne daß er deshalb sterben müßte. 

') Ähnlich uie die Sephitoth (§ 105) nicht Bruchteile, sondern 
Energiewirltungen des einen unveränderten Absoluten sind. 



2. Ebenso können, zumal nach der Ansicht von 
Lurja's Anhängern, sich eine oder mehrere (nach dem 
Tode ihres Leibes) in der Welt umherirrende Seelen 
von im bußfertig Verstorbenen, Übeltätern usw. zu der 
Hauptseele eines Menschen gesellen, dessen Eigenart 
ihrer Verfassung entspricht. Es geschieht dies teils 
zu ihrer eigenen -Strafe, teils zur Pein des von ihnen 
nach Art von Dämonen Besessenen, bei dem sie 
meist so lange bleiben, bis sie durch Beschwörung 
aus ihm getrieben werden (vgl. § 180). 

16a. Was ist demnach der Unterschied zwischen 
„Gilgul" und „Ibbur"? 
Durch Gilgul kommen die zum Wandern be- 
stimmten Seelen in einen sich erst bildenden 
Leib und bleiben in diesem ständig bis zu seinem 
Tode, indem sie in ihm die bisher ungenügend er- 
füllte Lebensaufgabe nochmals besser zu erledigen 
berufen sind. — Durch Ibbur kommen die Wander- 
seelen in einen bereits mit einer Hauptseele 
versehenen Leib und vereinigen sich mit dieser 
Seele nur auf Zeit behufs sittlicher Nachhilfe oder 
als Sünden strafe. 



163. So haben denn wohl die meisten Menschen 
sehr alte Haupt- bezw. auch Nebenseelen? 
Ja. Dies ergibt sich außerdem schon aus der 
kabbalistischen Ansicht, daß die Anzahl der geschaffe- 
nen (emanierten) Menschenseelen (vgl. § 137) eine 





77 

begrenzte, nicht allzugroße mach manchen 60000} ge- 
wesen sei. Ein Herabkommen noch nicht bereits 
eingekörpert gewesener Seelen aus dem Güph (§ i38f.) 
tritt wohl nur ein, um die durch Erlangung höchster 
Vollkommenheit der Erde endgültig entrückten Seelen 
zu ersetzen. 

164. Wie wird die Seelenwanderungslehre von den 
Kabbalisten begründet? 

Abgesehen von ziemlich gewaltsamen Deutungen 
einer Anzahl Bibelverse hauptsächlich durch folgende 
Argumente (von Manasse ben Israel [1604 — 1657] zu-V 
sammengestellt) r 

Es ist unvereinbar mit dem Gedanken einer auf 
göttlicher Güte, Gerechtigkeit und Barmherzigkeit be- 
ruhenden sittlich-geistigen Welt Ordnung, daß da 
Strafen eintreten, wo keine Verschuldung vorliegt 
(vgl- § MS)- 

Nun aber sehen wir alltäglich, 

1. daß es guten und gerechten Leuten dauernd 
sehr übel ergeht, während die Schlechten sich nur zu 
ort ungetrübten Glückes erfreuen, obwohl es gerechter- 
weise umgekehrt sein sollte, 

2. daß Kinder von Mutterleibe an oft mit den 
schrecklichsten Gebrechen behaftet sind, ja als un- 
glückselige Mißgeburten zur Welt kommen, in schein- 
barem Widerspruch gegen die schöpferische Allgüte, 
von der an sich doch nur Gutes kommen kann, 



79 



Ebenso trifft junge Kinder ohne erkennbare Schuld 
allerhand andere Plage und Unglück. 

NurdieSeelenwanderungs-undPräexistenz- 
lehre löst diese sonst nur durch Ausflüchte zu um- 
gehenden Schwierigkeiten in logisch und ethisch 
befriedigender Weise, und zwar dahin, daß 

i. die jetzt leidenden Gerechten Verschuldungen 
aus einem früheren Erdendasein abbüßen, 
wofür sie es bei rechtem Verhalten in diesem 
Leben um so besser im zukünftigen, in der 
nächsten Existenz haben werden, — die jetzt 
in Wohlbefinden lebenden Bösen waren in 
dem früheren Erdenieben gut, wofür sie ihren 
Lohn jetzt genießen, zugleich aber durch ihre 
Sünden sich ein um so schlimmeres künftiges, 
nächstes Erdendasein vorbereiten; 

2. die mißgestaltet, gebrechlich usw. Geborenen 
sind solche, deren Seelen in dem vorigen 
Er den dasein arg gesündigt haben, weshalb 
sie nach dem Tode ihres damaligen Leibes 
zur Strafe in solche ungestalte Körper kommen, 
gleich wie ihre Seele ungestalt geworden ist; 

3. ebenso sind die Seelen jungsterbender oder sonst 
in zarter Jugend mit Unfällen usw. gestrafter 
Kinder lediglich Seelen solcher, die sich in 
ihrer früheren irdischen Existenz so stark 
versündigt haben, daß sie zur Strafe in der 
neuen Körperlichkeit nicht lange gelassen, 
sondern alsbald schon wieder in eine andere 



1 




8o 

versetzt werden. Denn nicht nur der Tod 
(die Entkörperung), sondern auch die Wieder- 
einkörperung ist für die Seele etwas Be- 
schwerliches. 

165. Was wird nun aus den durch viele Seelen- 
wanderungen endlich zur Vollkommenheit 
gelangenden Seelen? 
Schließlich sollen ja alle Seelen zu dieser Voll- 
kommenheit gelangen (s. o. § 134). Sie kehren 
dann nach siegreich bestandenem Lebenskampfe zu 
ihrem Ursprünge zurück. 



166. Und zwar wohin zurück? 

Hierüber herrscht nicht völlige Klarheit. Manche 
Kabbalisten wollen eine persönliche Fortdauer der 
geläuterten Seelen in der Jezirah- oder Beriah- oder 
Sephiroth-Welt annehmen, und zwar z. T. so, daß 
die einzelnen Seelenteile in verschiedene dieser Stufen 
zurückkehren. Ein anderer Teil lehrt ein schlieläliches 
Aufgehen der Seelen, wie überhaupt ein Zurück- 
strömen aller Hmanationen in das Unendliche, Abso- 
lute, in den Oceanus divmitatis. Ob dann aus diesem 
wieder ein neuer Emanationsprozeß erfolgt, ähnlich 
wie in stoischen und anderen Lehren, wird nicht 
genauer erörtert, da es in ethischer Hinsicht nur 
auf die jetzige Emanations-Ära ankommt. 




3. Abschnitt. 
(Magie der Kabbalah.) 

167. Was ist unter kabbalistischer Magie 

stehen? 
Das Hervorbringen übernatürlicher Wirkungen 
(Wundertaten) mittels des heiligen Gottesnamens und 
seiner verschiedenartigen Formen, Buchstabenzu- 
sammenstellungen usw. 

168. Kennt die Kabbalah außer dieser „weißen" 

„schwarze Magie"? 
Ja, sie kennt auch die Heranziehung dämonischer, 
d. h. ungöttlicher Kräfte, verwirft sie aber 
„Zauberei" (kischüph). 

169. Wie heißt einer, der vermöge seiner Kenntnis 

der Anwendungen des Gottesnamens Wunder 

„Baal schein" (Herr des „Namens") oder „Baal 
schem tob" (Herr des guten Namens, abgekürzt 
„Beseht"). Ein Zauberer dagegen heißt „mekasch- 
scheph" . 

170. Worauf gründet sich die Zuversicht, mit dem 

Namen Gottes Wunder tun zu können? 

Schon die Bibel berichtet von Be Wirkung von 
Wundern „im Namen Gottes" (hehr, he-schem, durch 
den Namen). Wie der Name eines Dinges sein 
Wesen ausdrücken soll, so ist der „Name" Gottes 



der Ausdruck, die Offenbarung- seines Wesens. Da 
das Wesen der Gottheit (§ 106) absolute Kraft, 
„Allmacht" ist, muß die Anwendung des Namens 
ein Erfassen seines Wesens, eine (soweit es möglich 
ist) Aneignung seiner Kraft sein. Die einzelnen 
Buchstaben der Gottesnamen sind zugleich Teile des 
Wesens, der Energie Gottes. Die Kenntnis ihrer 
verschiedenen Gruppierungen nach bestimmten Regeln 
ist mithin Kenntnis der Hervorbringung bestimmter 
Kraft Wirkungen zu bestimmten Zwecken. 

171. Kommt nicht auch die Anwendung von Engel- 
namen vor? 

Jawohl, ebenso auch noch andere magische 
Formeln. Da aber die Engel als „Diener 11 , d. h. 
Kraft Wirkungen der Gottheit gelten und die magischen 
Formeln „im Namen" der Gottheit abgefaßt und 
verwendet werden, liegt hierin nichts Abweichendes. 



172. Wie heißt der so angewandte Gottesname? 

„Sehern ha - mephorasch" , der ausgesprochene 
Name. 



173. Wer soll ihn zuerst angewandt haben? 

Lilith, ..Adaras erste Fr:iu" (wie es in Goethe's 

Faust II heißt), da Talmud und Kabbalah glauben, 

, Mose 1 erwähnte „Fräulein" sei eine andere, 

frühere Frau Adams gewesen, als die 1. Mose 2 

i erwähnte „Männin" aus seiner Rippe. Erstere 




sehr wilder und herrischer Natur gewesen und habe 
mit Adam Dämonen gezeugt; schließlich habe 
sie sogar beim ehelichen Verkehr ihrem Manne 
„überlegen" sein wollen, und als ihr Adam dies ver- 
sagt, habe sie den Gottesnamen ausgesprochen und 
sei davongeflogen, um als Dämonenmutter fortan 
allen Wöchnerinnen und Neugeborenen zu schaden. 




174. Wie wurde dieser Mißbrauch des Gottesnamens 
gerächt? 
Als Lilith nach Ägypten (dem späteren Mutter- 
lande der Zaubereil gekommen war, ereilten sie dort 
die drei von Gott ihr nachgesandten Engel Senoi, 



Sansenoi und Samangeloph. Diese wollten sie er- 
tränken, da sie sich weigerte, zu Adam zurück- 
zukehren; sie rettete ihr Leben nur durch das Ver- 
sprechen, keine Wöchnerin und ihr Kind zu schädigen, 
die durch die Namen der drei Engel geschützt sein 
würden. Seitdem wurden die drei Engelsnamen 
(sowohl feierlich ausgesprochen, wie auf Pergament 



«pfftl : ! : 



im Wochenzimmer angebracht) zum Schutze von 
Mutter und Kind verwertet. 1 ) 

175. Wem schreiben die Kabbalisten ferner An- 
wendung des Gottesnamens zu Wunder- 
wirkungen zu? 



') Vgl. 



1 Amulett oben nuf S. 9 die 3. Zeili 



85 



Elieser, dem Knechte Abrahams. Als er Re- 
bekka am Brunnen getroffen, Laban aber ihm nach- 
stellte, soll er, um sich als G-ottgesandten zu erweisen, 
durch Aussprechen des „Namens" bewirkt haben, 
daß plötzlich seine Kamele hoch in der Luft standen 
und er über ihnen frei schwebte. 



176. Was wird von David erzählt? 

Kr soll von Abisai durch Aussprechen des Namens 
in die Luft erhoben und dadurch seinen Verfolgern 
entzogen worden sein. Ferner soll er beim Graben 
der Fundamente zum Tempel den ..Eben schtijjah" 
(Stein der Tiefe) gefunden haben, der den „Brunnen 
der großen Tiefe" (1. Mose 7, 11) verschloß und auf 
dem der Schdm ha-mephorasch ($ 172) eingegraben 
war. Diesen Stein habe er, heißt es weiter, ins 
Allerheiligste gebracht, und auf ihm habe die 
Bundeslade gestanden. Kecke Weisenjünger seien 
zuweilen ins Heiligtum gedrungen und hätten von 
dem Steine den „Namen" mit seinen Buchstaben- 
verbindungen usw. „gelernt", um damit Wunder 



177. Welche anderen Wirkungen des „Sehern" werden 
berichtet? 
Totenbe lebungen, Totenbeschwörungen, Kranken- 
heilungen, Verwandlungen, Geisterbannungen, Tötun- 
gen, Erschaffung lebendiger Geschöpfe, Wandeln auf 
dem Wasser, Verstehen aller Sprachen usw. — Im 



86 



Buche Rastel (s. o. § 22} heißt es: Durch Aussprechen 
des Sehern kann man Teufel bannen, Feuer löschen, 
Krankheiten heilen, Gedanken vertreiben; durch 
Aussprechen und Aufschreiben desselben kann man 
einen Feind verderben, die Liebe eines Herrschers 
sich erwerben. Durch ihn hat Moses den Ägypter 
getötet (2. Mos. 2, 12) usw. 

178. Was für Totenbelebungen z. B.? 

Die Auferweckung des Sohnes der Witwe zu 
Sarepta durch Elias wurde später auf Anwendung 
des Sehern zurückgeführt. | Ebenso schreibt die mittel- 
alterliche jüdische Sage in den „Tholdoth Jeschu" 
usw. 1 ) die Totenerweckungen und sonstige Wunder 
seiner Kenntnis des ,.Schem" zu.] Von Rabbi 
Chanina bar Chama wird berichtet, daß er den 
Sklaven des römischen Kaisers Antoninus wieder 
lebendig gemacht und dadurch den Kaiser für das 
Judentum gewonnen habe. Antoninus besuchte oft 
heimlich den Patriarchen Juda I. {um 200). Da- 
mit dies geheim bliebe, ließ er jedesmal den ihn be- 
gleitenden Sklaven an der Tür des jüdischen Gelehrten 
töten. Als nun Rabbi Chanina, der seinen Ge- 
nossen besuchen wollte, den Toten sah, machte er 
ihn durch den Namen lebendig zum größten Er- 
staunen des Kaisers, der den Totgeglaubten wieder 
am Leben fand. 



') Vgl. 



1 „Jüdisch -deutsch es Leben Jesu -1 , Leipzig 1895. 



179- Was für Verwandlungen? 

Einem Rabbi alter Zeit begegnete einst eine 
Hexe, die ihn verzaubern wollte. Er sprach den 
Namen, worauf sie in einen Esel verwandelt wurde, 
den er wohlgemut zu Markte ritt und dort ver- 
kaufte. 

1S0. Was für Geisterbannungen? 

Salomo soll sich durch den (auf seinem Siegel- 
ring und seiner Kette eingegrabenen) Schöm die 
ganze Geisterwelt untertänig gemacht haben, bis 
ihm einst der Dämon Asmodi den Ring ablistete 
und sich zum Herrscher machte. Der verbannte 
Salomo irrte umher, bis er endlich den in eines 
Fisches Bauch gelangten Ring mit dem -Schdm 
wieder erhielt und so den Bösen vertreiben konnte. 

Sehr interessant ist der dem Lurja (s. o. § 63 ff.) 
nachgesagte Exorzismus eines Geistes, von dem eine 
Frau besessen wurde. Der Geist war die Seele eines 
ohne Sterbegebet und Buße ertrunkenen Juden. 
Nach längerem Umherirren war ihr verstattet worden, 
in eine Frau zu fahren, als diese gerade fluchte, 
und seitdem leidet das (epileptisch-hysterische) Weib 
furchtbar. Lurja redet und verfährt nun mit dem 
Plagegeist ganz wie die christlichen Teufelsbeschwörer, 
schilt ihn, läßt sich seine Geschichte erzählen usw, 
Mittels des „Namens" zwingt er ihn endlich, zu der 
kleinen Zehe der Heimgesuchten auszufahren, was 



denn der so Behandelte auch mit der üblichen Ve- 
hemenz tut. 

181. Was für Totenbeschwörungen? 

Der „hohe Rabbi Low 1 ' zu Frag' (Juda ben Bezalel, 
starb 1600) soll z. B. kraft des „Sehern" dem Kaiser 
Rudolf II. die Patriarchen und die Sohne Jakobs 
haben erscheinen lassen. 

182. Was für Schöpfungen? 

Von den Rabbinen Chanina und Oschaja wird 
schon im Talmud berichtet, daß sie sich für jeden 
Sabbath ein gemästetes Kalb schufen, das sie dann 
zu Ehren dieses Festtages selbander verzehrten. 
Der berühmte Raba schuf sogar (nach derselben 
Quelle) ein Menschengebilde, das er zu seinem 
Freunde Rabbi Sira sandte. Da aber der Schein- 
mensch nicht reden konnte, erkannte R. Sira seine 
magische Herkunft und verwandelte ihn wieder zu 
Staub. 

Im ganzen älteren Judentum bekannt ist die 
Erzählung von dem ,,Gölem" des hohen Rabbi Low. 
Der Golem war ein zu ungeschlachter Menschen- 
gestalt geformtes Stück Ton, dem der Rabbi einen 
Zettel mit dem Sehern in den Mund legte, worauf 
der Klump lebendig wurde und die Woche über 
alle ihm von seinem Herrn aufgetragenen Dienste 
ausführte. Am Freitag Abend, bei Sabbath-Anfang, 
nahm ihm Low das Pergament aus dem Munde, und 



qo 



infolgedessen nicht nur weiter, sondern bekam durch 
die sabbathliche erhöhte Wirkung des „Namens" 
solche Kraft, daß er bald anfing, alles um sich her 
zu zertrümmern, Häuser einzureißen usw. Voll 
Schrecken holt man den Meister aus dem Gottes- 
hause. Festen Schrittes geht er auf den Wütigen 
los, nimmt ihm den Zettel mit dem Sehern aus dem 
schnappenden Maule, und das Monstrum zerfällt in 
Scherben. — Derselbe Low soll dem Kaiser Rudolf 
übrigens auch den ganzen Prager Hradschin in sein 
(Lows) Studienzimmer versetzt haben. 

183. Was für Sprachen soll man mit Hilfe des 
Sehern verstehen können? 

Alle, laute und leise (d. h. Gedanken), z. B. die 
verschiedenen Sprachen der Menschen, die Sprache 
sämtlicher Tiere, die Gespräche der Engel und der 
Dämonen, die Rede der Bäume, das Rauschen des 
Meeres , die unausgesprochenen Gedanken des 
Nächsten. Ganz besonders soll der König Salomo 
dieser Dinge mit Hilfe des Sehern kundig gewesen 
sein. 



184. Was ist bei der Anwendung des Schäm zu 
beobachten? 

Abgesehen von der richtigen Gruppierung' der 
Zeichen und ihrer richtigen Aussprache, die als ein 
nur wenigen bekanntes Geheimnis gilt, vor allem 



völlige körperliche Reinheit dessen, der diesen ma- 
gischen Akt vornimmt, Wer ihn im Zustande der 
Unreinheit ausspricht, mvilä sterben oder kommt 
wenigstens in Lebensgefahr, ebenso derjenige, der 
während des Wundervorganges etwa unrein wird. 

185. Können nur Männer den Schäm anwenden? 
Im allgemeinen, ja! Doch wird außer von der 





„Lilith" (h. o. § 173) auch von einem Mädchen 
namens Ischtahar berichtet, daß sie sich mit Hilfe 
des Sch£m in den „Himmel" gerettet habe, als der 
Engel Schamchasi mit ihr Unzucht treiben wollte. 
Indessen ist dies ein vereinzelter Zug, der wahrschein- 
lich aus der babylonischen Mythologie stammt. 



02 



i86. Wie werden die Amulette angewendet? 

Zur Erweckung von Liebe, zur Tötung von 
Feinden, vor allem aber zum Schutze gegen Dämonen 
und allerhand Unheil. {Vgl. §§ 16, 174, 177.) 

187. Wo finden wir zuerst bei den Juden Amulette? 
Eigentlich sind schon die Thephillin (Gebets- 



älEEEMEEaKH^ 



■a^Mt Ml'" 



.Lube, {tS. Jahrh.) {Nach An««»».) [Oben 

riemen, Phylakterien) und die Mesusa (Türpfosten- 
kapsel), beide mit Zetteln darin, auf denen Bibelverse 
stehen, eine Art Amulette des talmudisch-rabbinischen 
Judentums, deren Wirkung auf den in ihnen 
findlichen Gottesworten und Gottesnamen beruht. 



inen be- 

eruht. 



iS8. Was enthalten die eigentlichen kabbalistischen 
Amulette? 
Verschiedene Gottes- und Engelsnamen u. dg]., 
Segens- und Bannformeln, sowie unverstandene und 
z. T. unverständliche Buchstabenkombinationen. 



18g. Nenne einige solche Kombinationen! 

Schon der Talmud erwähnt als Schutzmittel 
gegen Augenkrankheiten (im Traktat Pesachim 112a) 
die Formel „Schebriri", die so geschrieben wird, 
daß die Buchstaben des Wortes regelmäßig ab- 
nehmen, wodurch die Krankheit dasselbe tun soll: 



Bekannter ist das ..Abracadabra- , das noch heute 
in Zauberbüchern spukt und schon von dem Römer 
Serenus Sammonicus als Fiebermittel erwähnt wird. 
Im Lateinischen lautet die Formel entweder: 

ABRÄCADABRA 

BRACADABR 

RACADAB 



94 

oder: 

ABRACADABRA 

ABRACADABR 

ABRACADAB 

ABRACADA 

A B R A C A D 

A B R A C A 

A B R A C 

A B R A 

A B R 

A B 

A 

Hebräisch : 

rat 



oder: 



2 ^ s n i a n 

^ 5 « ^. a N 
5 N 1 S N 

n *i a a 

*1 5 K 



95 



igo. Was bedeutet „Abracadabra"? 

sarr? sna« (Abbara kedabra) „Entfleuch diesem 
Worte gemäß"; dies ist zu der Krankheit gesagt, 1 ) 
— Alle anderen Erklärungen sind z. T. sehr unwahr- 
scheinlich (z. B. Ab, mach, dabar = Vater, Geist, 
„Wort" oder Sohn), z. T. künstlicher als diese (wie 
z. B. Dr. B. Fischer's law T^ 'Abed kaddabar' = 
Tue nach Bericht, eine Rezeptformel, wo aber Buch- 
staben Änderung nötig ist). 

191. Was enthalten noch andere Amulette? 

Geheimnisvolle Zahlenzusammenstellungen, deren 
Zahlenwert, Gruppierung und Summe besondere, 
z. T. sehr dunkle Beziehungen auf die Sephiroth- 
und andere Lehren haben. So z, B. das Siebener- 
Quadrat lim Original in hebr. Zahlbuchstaben): 
Original: 



47 10 
23 48 



35 



7 2 5 43 19 37 



wo überall die Summe 175 herauskommt. 



-zz r: 


TL 


sv\ 1 'nb j*i 


n|j= 


~" 


r \sa\ sr< 


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~ - 


- = 


va rrj-fc 


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Tb 


tftj T 


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-pfA 


N 


■ahn 


: 


x- 


aV|r|A|a|o 


— : 



er Jeicliten Anderucg : t*72-jr X12N (Abbada kedabra): 
; dieses Wort (Forniei)." 



Q6 



das 


Achter- 


■Quadrat: 








8 


58 


59 


5 


4 


62 


63 


1 


49 


15 


14 


52 


53 


1 1 


10 


56 


4i 


23 


22 


44 


45 


19 


18 


48 


32 


34 


35 


29 


28 


38 


39 


25 


40 


26 


27 


37 


36 


30 


3i 


33 


17 


47 


46 


20 


21 


43 


4 2 


24 


9 


55 


.54 


12 


13 


5i 


50 


16 


64 


2 


3 


61 


60 


6 


7 


57 



mit der lang, quer, diagonal usw. herauskommenden 
Summe 260, die ihre besondere Bedeutung hat. 

Oder das Neunerquadrat: 



37 


78 


29 


70 


21 


62 


13 


54 


5 


6 


38 


79 


30 


7i 


22 


63 


14 


46 


47 


/ 


39 


80 


3i 


72 


23 


55 


15 


16 


48 


8 


40 


81 


32 


64 


24 


56 


57 


17 


49 


9 


4i 


73 


33 


°5 


25 


26 


58 


18 


50 


1 


42 


74 


34 


66 


67 


27 


59 


10 


5i 


2 


43 


75 


35 


36 


68 


l 9 


60 


11 


52 


3 


44 


76 


77 


28 


69 


20 


61 


12 


53 


4 


45 



mit der Summe 369. 



192. Gibt es auch ähnliche Buchstabenquadrate? 

Ja, in großer Anzahl und verchiedenster Kom- 
bination. Als Beispiel mag folgendes einfache dienen, 



welches eine Quadratur des Wortes : 
Gott) enthält. 



Bhlchl» 


- | 5 | « V 


j 


. | n | i | n 




= ■ h | - 


D 



Im Deutschen würde dies (mit dem Namen 
„Jahwe" versucht) so aussehen: 



!•: w 


H W| E 


W, II 


Aill'W 


H|A 
W, H 


J l-A-JH 
A|H[W 


[•: w 


h:w e 



In ähnlicher Weise gibt z. B. Rosenrot {s. o. 
§ 791.) als Beispiel den Vers „Ex uno centro sua 
mittit lumina Sohar" in einem Quadrat von 31x31 
Buchstaben nach obigem (aber erweitertem) Schema, 
und ebenso werden lange Bibelsprüche als Schutz- 
und Segensfonueln in ähnlicher Weise geschrieben, 
ebenso die schon genannten Gottes- und Engels- 
namen usw. Vgl. folgende Nachahmung in deutscher 
Sprache; 



11 C I D K|T|0|H|E|H|U|T|E|Dl l c 


H 


Cl l|D|E TiÜ,H|E.BiE|H|Ü|T|E|D|I 

i1d1e|t|0|h|e|b|r|b|e ho, tHeTd 


c: 


d|e|t|C|hie|b:r!r|r|b|e|h|ü 


T|E 


1) 


e|t|0|h!e|b r r|e|rir|b e|h 


Cf| T 


[•: 


t|0;h|e|B|R R e|h e r 


r|B|e'h;o 


T 


Oh e b r r|e h|r h|e 


R!R B|E|Hlü 


H ! E | B ' R R EIHIR E R H E R j R | B | E 1 H 


E b'r|r|e|h RiEIdJe|R|H!e r 


R I! B 


H|E|B|R:R|EiH,RlE|R|H|EiR,R 


B F. II 


OlHIElBlR R;E H|RH,E R , R i b 1 e 1 h 1 


T'0|H,E|B'R RJE'H!e|R!R|B'E 


H|0|T 


E TÜ!H,E,B[R,R E|RR|BlEiH 


ü|t 


E 


D | E | T | CT | H | E B[R|RRJBlE!H 


T 


E 


1) 


i|o[e[T[0|h|e 


BlRB E HJÜ T 


E 


D 


I 


c| i]d|e|t|OIh 


e|b|e H|0|T|E D| I 


c 


H 1 C | I 1 D ! E | T | Ü , H | E | H | T | E | D j 1 1 G 


II 



DER HERR BEHÜTE DICH. 
193. Sind die Amulette nur auf Pergament ge- 
schrieben? 

Nein, es können auch Edelsteine, Gold-, Silber- 
und andere Metallplättchen, Ketten. Ringe usw. 
mit eingravierten Gottesnamen ') und Formeln der 
beschriebenen Art als Amulette dienen. 

') Oft z. B. mit dem auf dem Titelhlatte stehenden ..Schild 
Davids", dem Slermloppeldreieck mit dem Gottesnamen. 



194- Was ist der Unterschied zwischen der Wirkung 
der Amulette und derjenigen des ausge- 
sprochenen „Schäm"? 
Die Wirkung der Amulette ist 1 ) im allgemeinen 
eine gleichmäßig dauernde, die der Nennung des 
Namens eine auf kürzere Zeit beschränkte, aber um 
so stärkere; die Amulette wirken ferner meist negativ, 
abwehrend, die gesprochenen Formeln in erster Linie 
produktiv, ein neues Geschehen hervorrufend, Tat- 
sachen schaffend. 



195. Was ist von all' den geschilderten magischen 
Formeln und Taten zu halten? 
Ein Teil der geschilderten „Wunder 41 , wie die 
Totenbelebungen, erscheint rein sagenhaft, andere 
sind wahrscheinlich phantastische Ausschmückungen 
einfacher Vorgänge durch die Volkssage. So be- 
ziehen sich die Berichte von menschenähnlichen Ge- 
schöpfen wohl auf menschenähnliche Automaten; bei 
dem „Golem" Löws (§ 182) ist dies sogar fast gewiß, 
da L. auch ein vorzüglicher Astronom, Mechaniker 
und Physiker war. Offenbar hat er auch die Er- 
scheinungen der Patriarchen (§ 181) und des Hradschin 
(§ 1&2) in seinem Zimmer durch eine I.aterna magica 
hervorgebracht. 

') Doch wirken einige auch in besonders kiilischen Augen- 
esondeis Hei „Schild Davids" bei Feueisbnmst und 
kabbaüslischei: Formeln versehen) z. B. bei Schwer- 
Vgl. den „Schild" oben S. 31. 




Alle anderen Vorgänge, das Erschaffen des 
Sabbatkalbes (t; 182) eingeschlossen, beruhen auf 
Autosuggestion oder Suggestivwirkungen auf 
andere, gleich den „Wundern" der indischen Fakire 
usw., so z. B. wenn der Kabbaiist selbst glaubt oder 
den anderen, sogar großen Massen suggeriert, er 
schwebe in der Luft usw. Besonders stark und be- 
kannt ist diese Suggestivwirkung bei Beschwörungen 
u. dgl. 

196. Kannte man denn aber früher schon diese 

Suggestivwirkungen ? 
Mehr ais bei uns. Ein großer Tei! der antiken 
und mittelalterlichen „Wunder", soweit diese als Tat- 
sachen bezeugt sind (zumal Krankenheilungen, Fluch- 
wirkungen u. a.), beruht hierauf. 

197. Wodurch laßt sich beweisen, daß die Kabbalistik 

dergleichen kannte? 

Die § 15, 3 erwähnte kabbalistische Schrift 
„Hechaloth rabbathi" gibt z. B. in ganz ausführlicher 
Weise die Mittel zur Autohypnose mittels geeigneter 
Suggestionsvorstellungen u. dgl. an. Um die Mysterien 
der Gottheit zu schauen, muß der nach solcher In- 
tuition begehrende Kabbaiist bestimmte Tage fasten, 
sitzend den Kopf zwischen die Knie legen und zur 
Erde nieder viele Hymnen und Formeln summen, die 
ausführlich genannt werden. 

Auch für die Suggestion andern gegenüber sind 
die halbsingend vorgetragenen Formeln mit ihrem 



schwebenden Rhythmus, die Hymnen mit ihren sanft 
wechselnden Bildern und im Blau verschwimmenden 
Gedanken trefflich geeignet. 

Endlich sind den Kabbalisten auch nicht un- 
bekannt die hypnotisch-suggestiven "Wirkungen des 
unverwandten Anschauens eines glänzenden Gegen- 
standes, des Hörens von leise fallendem Wasser 
usw. 1 ) 
198. Nenne eine solche kabbalistische Hymne! 

Im g. Kapitel von ..Hechaloth rabbathi" heißt 
es: „Wie die Stimme des Wassers im Rauschen der 
Ströme, wie die Stimme der Wogen in blauer See, 
wenn im Lenz der Südwind einher sie wälzt, so er- 
klingt die Stimme lobenden Liedes einher vom Throne 
der Herrlichkeit, den König der Könige preisend. 
Ein Schwall von Tönen, ein großes Getöse, gar 
viele Stimmen gesellen sich mächtig zum Sänge des 
Thrones der Herrlichkeit, dem Gewaltigen Jakobs zu 
singen und klingen, und tausendstimmig rauscht es 
einher: Heilig, heilig, heilig ist der Herr der un- 
zähligen Heere!" 

igg. Gehört noch mehr zur kabbalistischen Magie? 

Ja, z. 15. die Astrologie, die Physiognomik 

(Gesichtsausdruckslehre), die Chiromantie (Lehre 



') Sehr hüb 


ch 


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psthoheit suggeri 


rt, 


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rae 


Minute 


aufzuwecken. 

















103 

von der Bedeutung der Handformen und der Linien 
der Handflächen). Mehr zur niederen Magie gehörig 
und erst in später Zeit vorhanden ist das Entdecken 
von Schätzen, Quellen, Verlorenem, Dieben u. dgl. 
durch magische Handlungen, die mit der eigentlichen 
Kabbalistik in sehr losem, mit dem allgemeinen 
Volksaberglauben in desto näherem Zusammenhange 
stehen. Auch die Traumdeutung gehört hierher. 

aoo, Wer rühmte sich besonders ausgezeichneter 
geheimer physiognomischer Kenntnisse? 
Isaak I.urja (s. o. J; 63 fT.) ; er behauptete sogar, 
aus dem Gesichtsausdruck eines Menschen lesen zu 
können, ob dessen Seele schon viele Wanderungen 
durchgemacht habe. 

201. Was ist von der kabbalistischen Chiromantie 
zu sagen? 
Sie unterscheidet sich wenig von der antik- 
mittelaUerlichen Handorakellehre. 1 ) Die Chiromanten 
unter den Kabbalisten kennen auch 1. die Lebens- 
linie, zwischen Daumen und Zeigefinger beginnend 
und um den Daumenballen nach unten laufend, die 
rein ausgeprägt langes Leben anzeigt, 2. die Natur- 
oder Hauptlinie, in der Nähe der Lebenslinie unter 
dem Zeigefinger beginnend und annähernd parallel 



'} Auch die Astrologie der K_abbalist 
ndcutuvig wenig verschieden. 



stiKtii 



104 



der Magenlinie in entgegengesetzter Richtung laufend, 
zeigt bei gehöriger Länge gute Verdauung, Lebens- 
freude und Energie an, 3. die Tischlinie, unter dem 




Fig. 23. Zu § 201. 



kleinen Finger beginnend und nach dem Zeige- und 
Mittelfinger laufend, die gut ausgeprägt starke 



Zeugungskraft anzeigt, 4. die Leber- oder Magen- 
li nie, etwa von Handwurzel oder Daumenballen 
nach dem kleinen Finger zu gehend, steht ebenfalls 
mit der Verdauung in Zusammenhang, 5. die Ras» 
ceta, d. h. die erste Querlinie unter dem Handteller 
auf dem Handgelenk, die ununterbrochen auf Glück 
in allen Unternehmungen hinweist. — Ebenso kennen 
sie die Deutungen der verschiedenen Nebenlinien, 
der Zwischenräume zwischen den Linien, der „Berge" 
unterhalb der Finger usw. (? Venus-, \ Jupiters-, 
t> Saturns-, Sonnen-, Q Merkurs-, d Mondberg, 
ö" Marsebene, Tj Tisch usw.) 

202. Was ist der Inhalt der kabbalistischen Astro- 
logie? 
Er ist der sonstigen Astrologie im wesentlichen 
völlig gleich. Grundlage ist die Idee von der Herr- 
schaft der Gestirne über den Menschen, Hauptzweck 
die Erkundung des menschlichen Schicksals aus den 
Sternen. (Vgl. § 22.) Zu diesem Zwecke wird der 
Himmel in 12 „Häuser" (c-ra Bätthim) wie in bei- 
fulgender Figur eingeteilt: i. Haus des Lebens, 
2. Haus des Reichtunis, 3, I laus der Brüder, 4. Haus 
der Verwandtschaft, 5. Haus der Kinder, 6. Haus 
der Diener, 7. Haus der Ehe, 8. Haus des Todes, 
q. Haus der Religion oder des Mitleids, 10. Haus 
der Würden, 1 1. Haus der Freundschaft, 12. Haus 
der Feindschaft. — Je nachdem nun die 7 „Planeten" 
(Sonne, Venus, Merkur, Mond, Saturn, Jupiter, Mars) 



und die Sternbilder in diesen Häusern und 2U ein- 
ander stehen, wird Vergangenheit und Zukunft be- 
rechnet. (Nativität- oder Horoskop-Steilen.) 



des Himmels. 




203. Haben alle Kabbalisten sich mit dergleichen 
beschäftigt? 

Nein; gerade diese magische Tätigkeit war 
hauptsächlich nur einer ganz bestimmten Richtung 
eigen und nahm überhand, je mehr der spekulative 
Geist der Kabbalistik erschlaffte. 



/ . 



^^H 



204- Hat diese Magie einen organischen Zusammen- 
hang mit den Grundlagen der Kabbalistik? 

Insofern jedenfalls nicht, als die Lehre der Kabba- 
lah auch ohne diese Magie bestehen kann und viel 
reiner und edler ohne sie hervortritt, während die 
Magie ohne den Nimbus des Kabbalistischen viel ver- 
lieren würde. 

205. Wie lautet das Schlußurteil über die Kabbalah? 
Sie stellt in spekulativer Hinsicht einen, freilich 
von allerhand Beiwerk vielfach umwucherten, eigen- 
artigen Monismus dar, der mit seinen Grund- 
gedanken auf die Entwicklung der neueren Philosophie 
nicht unerheblich eingewirkt hat; sie enthält in 
ethischer Hinsicht viele fruchtbare und erhabene 
Gedanken, oft allerdings in phantastischer Ein- 
kleidung; als Magie aber ist sie von nicht zu unter- 
schätzendem Einflüsse auf allerhand abergläubische 
und auch auf okkultistische Strömungen gewesen. 
So bietet sie einen kulturhistorisch hochinteressanten 
Studien-Gegenstand dar, dessen eindringendere Durch- 
forschung leider durch die dunkle Darstellungs weise 
und das viele magische und mystische Beiwerk sehr 
erschwert wird. Trotzdem ist das Wertvolle, das 
sie enthält, vollauf genug, um ihr dauerndes Interesse 
zu sichern. 



ANHANG. 

Zu § 23. Um den hohen ethischen Standpunkt der beiden genannten 
Kabbai isten zu veranschaulichen, seien aus ihren Werken 
ein paar kurze Stichproben gegeben. 

i. Aus Juda's ben Samuel ,,Buch der Frommen": 

„Täusche niemand absichtlich durch deine Hand- 
lungen, auch keinen NichtJuden; sei nicht zänkisch gegen 
die Leute, auch nicht gegen Andersgläubige. Handle 
ehrlich in deinem Geschäft; erzähle nicht, man habe dir 
bereits mehr geboten für die Ware, falls es nicht wahr 
ist; mache nicht Miene zum Verkaufen, wenn dir's 
damit nicht Ernst ist; solche Dinge sind eines Israeliten 
unwürdig." 

„An dem Gelde der Münzenbeschneider,der Wucherer, 
der mit Maß, Gewicht und im Handel Betrügenden ist kein 
Segen; ihre Kinder und Helfershelfer gelangen in Ver- 
bannung und an den Bettelstab." 

„Hat man dich betrogen, bestohlen, verleumdet, 
so vergilt nicht aus Rachsucht mit demselben Maße." 

„Sei still, wenn man dich schmäht, laß auch nicht 
zu, daß deine Schüler und Hausgenossen deinen Beleidiger 
schmähen und schlagen. Neid und Haß sei ferne von 
dir. Hat man dich über dein Vermögen besteuert, so daß 
Reichere weniger zahlen, so errege nicht dir und anderen 
durch Protest Zank und Verdruß, sondern schweige 
und beschäftige dich mit Gottes Wort." 



HO 



2. Aus Eleasar's ben Juda „RokSach": 

„Erhalte den Frieden in der Stadt und außerhalb; 
denn allen Friedfertigen eigeht es wohl. Sei aufrichtig, 
hintergehe niemanden durch Heuchelei, glatte Worte oder 
Lüge. Weil der Mensch lügt, stirbt er vor der Zeit; 
Gott der Herr ist ein Gott der Wahrheit, die Wahrheit 
ist das A (der Anfang) seiner Schöpfung. 1 ) Sei schweigsam 
aus Gottesfurcht; denn bei vielem Reden geht's nicht 
ohne Sünde ab. Wenn du aber redest, so rede wahr, 
lobe dich nicht selbst, sondern sei bescheiden." 

„Der Demütige sucht Ehren zu meiden. Spricht 
man von seinen Fehlern; so dankt er Gott, daß ihm in 
dieser Beschämung ein Mittel zur Besserung gegeben sei. 
Ist er sich aber guter Eigenschaften bewußt, so hält er 
sie doch für unvollkommen gegenüber dem sittlichen 
Ideal und vergibt darum dem, der ihn verleumdet.*' 

Zu § 32. Aus Mose's ben Nachman Einleitung zum i. Buch 
Mose: 

„Als wahrhafte Überlieferung (Kabbalah) wissen 
wir ferner, daß der ganze Pentateuch (5 Bücher Mose) 
aus lauter Namen Gottes besteht, indem die Wörter sich 
auf andere Weise, als der Text sie darbietet, verbinden 
lassen und so Gottesnamen bilden. Stelle dir z. B. vor, 
daß der 1. Vers des 1. Buches Mose so gelesen wird, 
so entstehen neue Wörter, die dann Gottesnamen bilden. 
Dies ist so im ganzen Pentateuch, und dazu kommen noch 
die auf Themurah und Gematria (s. o. § 35 ff.) be- 
ruhenden Deutungen. . . . Aus diesem Grunde ist auch 
ein Pentateuch- Exemplar, in dem ein Buchstabe zu viel 



*) Wahrheit = p.728« N ist der erste Buchstabe des Alphabets 
(— A) und der Anfangsbuchstabe des schaffenden Gottes (Elohim, 
trilbtf 1 Mos. 1,1); 12 ist der mittelste, n der letzte Buchstabe des 
hebr. Alphabets. 



oder zu wenig sieht, rituell unbrauchbar. ... Es schein 
daß das göttliche Uresemplar ohne Wortabteilung gl 
schrieben war, so daß man die Buchstaben sowohl 
die Gottesnamen ergebenden Abteilungsweise, wi 
unserer gewöhnlichen, Lehre und Gebot ergeben« 
lesen konnte. In letzterer Lesung erhielt Mo: 
Gesetz schriftlich, während ihm die Lesung nach 
namen müiklluli übci liefert wurde. " 




37. Verwandt hiermit ist d 
man aus den Zahlen 
wichtige Jahre Und Tl 



Zahlenorakel, mittels desseu 
es Namens und der Geburtsdaten 
e im Leben eines Menschen vor- 
ausberechnet — eine Art arithmetische Natfvität (vgl. 
§ 202)! Kaiser Wilhelm I. z. B. ist geboren am 
12. 3. 1797; 12 + 3 + 1707 + 7 (Anzahl der Buchstaben 
des Namens] = 182g, das Vermähl ungsjahr; 1829 + I 
-j- 8 + 2 + 9 = [849, badischer Feldzug; 1849 + 1 + 8 
+ 4 + 9 = 1871, Kaiserkrönung; 1871 + 1 + 8 + 7 
+ 1 = 1888, Todesjahr. — Napoleon III. gebor 
20. 4. 180S; 20 + 4+ 1808 + 8 (Buchstaben zahl des 
Namens) •» 1840, Putsch in Boulogue; 1840+1 + 8 
__^^+4 + o*- 1853, erstes Jahr als Kaiser; 1853 + 1 
+ 8 + s + 3 = 1870, Ende seiner Herrschaft. — 
Friedrich Wilhelm III. vermählt 1793; + Que 
2o— 1813 (Freiheitskriege!, + Qu. '3= 1826. + <, 
17 = 1843, + Qu. 16 — 1859 (Wilhelm U. geb.), + £ 
23= 1882 (Kronprinz Friedrich Wilhelm geb.). — 

Eine gewissermaßen umgekehrte „Gemalria" ist 
das Verfahren, aus Zahlbuchstaben Merkworte lu bilden, 
wozu das Lateinische sieb besonders eignet. So wird 
1315, das Jahr einer gruben Hungersnot, durch folgeudeu 
leon inischen Hexameter bezeichnet: „Ut lateat nulluni 
tempusfamis, ecce CVC VLL VM." (M = 1000, CC = 
loo, LL = 100, VW- IS! - 1315O 
Einige neuere, Namen ausdeutende Anagramme ähnlicher 



I 12 



Zu § 44. 



Art mögen hier erwähnt sein: Marie Tomjoet (-f- 1638), 
die Geliebte Karl's des IX., gab dem Schmeichler, welcher 
ihren Namen in „Je charme tout" (Ich bezaubere alles) 
umwandelte, ein kostbares Perlengeschmeide von ihrem 
Halse. Für die berüchtigte Katharina von Medicis er- 
sannen die Franzosen das Anagramm: 

Catherine de Medicis = Dite chaine de crimes. 
(Genannt eine Kette von Verbrechen.) 
Ebenso bildete man aus dem Namen des Mörders 
He in rieh's III. 

Frere Jacques Clement 
= C'est l'enfer qui m'a cree\ 
(Die Hölle hat mich hervorgebracht.) 

An einem ganz zeitgemäßen Anagramm läßt sich zeigen, 
daß auch heute noch derartige eigentümliche Zufälle mit 
den Namen von Personen verknüpft werden können. Die 
Namen des unglücklichen serbischen Königspaares 



•j- In pace ! -j- 
Obrenovitch Alexander der erste von Serbien 

und 
Draga Maschin. 



ergeben das verblüffende Anagramm: 

„Beide von Mördern in der Nacht erschlagen. Sicä 
pax tua, Serbia!" 

(Durch den Dolch dein Friede, Serbien !) 

Aus Gikatillas's „Schäare" orah": 

„Wisse, daß alle heiligen Gottesnamen, die in der 
Heiligen Schrift vorkommen, sämtlich von dem vier- 
buchstabigen Namen J-nJ-p (Jahwe) abhängig sind. . . . 
Alle übrigen heiligen Gottesnamen gleichen den Zweigen 
und Reisern, die vom Stamme des Baumes ausgehen, 
und jeder einzelne von ihnen trägt Frucht nach seiner 
Art. . . . Außer den bekannten heiligen Namen gibt es 




i'3 

noch eine Menge Nebenbezeichnnngen, die von ihnen 
abhängig sind; so gehören zu „Jahwe" die Betiennuage» : 
„Furchtbarer", „der da Sünde veigiht", „der da Missetat 
auslöscht"; m „El" (Gott]: „Der Große", „der Barm- 
herzige", „der Gnädige"; zu „Elohim" (Gottheit]; „Der 
Mächtige'', „der Richter", „der Herr des Gerichts". Zu 
jedem dieser Beinamen gehören wiederum von ihm ab- 
hängige Beinamen, und das sind die sämtlichen übrigen 
Worte der Heiligen Schrift." 

45. Abraham Zakkulo berichtet in seinem Buche „Juchasin" 
(Chronik, geschrieben 1504) folgendes aus des laaak 
ben Samuel „Meirath enajim" (Augeuerleuchtuug, um 
I.V»): „In Valladolid traf ich den Ft. Mose de Leon, 
der mir eidlich versicherte, das Original (des Sohar) von 
R, Simeon ben Jochai in seinem Hause zu Avila liegen 



1 liahcn 



/.einen 1 



reise aber starb er (1305] in Arevalo. In Avila fand 
ich Aufnahme bei dem gelehrten ' 
Raphan, der ein Verwandter des R. Mose de Leon 
war. Diesen beschwor ich, mir über die Echtheit des 
Sohar Auskunft zu geben. Er sagte mir, für ihn stehe 
es fest, dali R. Mose das Buch selbst ersonnen habe. 
Sein Grund dafür sei, daß R. Mose schon öfter Schrift- 
stücke geheimnisvollen und wundersamen Inhalts an reiche 
Leute dieser Gegend für schweres Geld gesandt habe, 
das er jedoch sofort verschwendete. Er hat auch bei 
sodaE seine 

Frau und Kinder in tiefster Armut waren. — Als ich 
von seinem Tode horte, begab ich mich zu R. Joseph 
de Avila, der sehr reich war und ihn oft beschenkt 
hatte, und sprach zu ihm: Jetzt ist für dich die er- 
wünschte Gelegenheit gekommen, das herrlicl 
(den Sohar, aus dem R. Mose de Leon jene Mitteilungen 
kopiert zu haben vorgab) für ein gutes Geschenk an die 



gänzlich arme Wittwe zu erlangen.' Als man nun der 
Witwe das Geschenk anbot, schwor sie, ihr Mann habe 
nie ein solches Buch besessen, sondern alles seinem 
eigenen Geiste entnommen. Als sie ihn gefragt habe, 
warum er sein Werk für dasjenige eines anderen Weisen 
ausgebe, und ob es nicht besser sei, wenn er sich selbst 
für den Autor erkläre, und ob man ihn danu nicht auch 
beschenken würde, habe er gesagt, wenn er es für sein 
Geisteswerk erkläre, würde man es nicht schätzen und 
ihm nichts dafür spenden; deshalb schreibe er es dem 
R. Simeon ben Jochai und seinen Genossen zu. — 
Hierauf (fährt R. Isaak fort) sprach ich mit der Tochter 
(des R. Mose de Leon), die eine gleichlautende Aussage 
machte/' 

Trotz alledem hielt man lange an der Autorschaft 
des R.' Simeon ben Jochai fest, die u. a. auch Knorr 
von Rosenroth (Kabbala denudata IT, p. 5 ff., vgl. oben 
§ 80) eifrig verteidigt. 

Zu § 46 ff. Aus der Einleitung des Sohar (I, 15a): 

„Am Anfange (der Emanation) zeichnete der Wille 
des Königs (der Gottheit, des Absoluten) Formen in den 
höchsten Lichtkreis, leuchtendster Glast 1 ) entwirkte sich 
dem Allerverborgensten kraft des Geheimnisses des Un- 
endlichen (En Soph, s. o. § 95), gleich einem Klümpchen 
in einer gleichmäßigen Masse, wie der Stein, der in einen 
Ring eingelassen ist (d. h. trotz der Besonderung noch eng 
mit dem Allverborgensten verbunden), nicht weiß oder 
schwarz, rot oder grün, ganz ohne jede Farbe. 2 ) Erst 
durch seine strahlenartige Emanation erzeugte er (der 
Glast) in sich leuchtende Farben. Aus dem Glast nämlich 
entwickelte sich nach unten zu gebrochenes farbiges 



*) Lichtschein, Glanz. 

a ) Sephirah Kether? (s. o. § 112.) 



"5 

Licht, 1 ) verborgen im Verborgensten kraft des Geheimnisses 
des Unendlichen. Fast durchbrach er, in unerkennbarer 
Weise, seine Sphäre, sodaß infolge hiervon ein ge- 
heimnisvoller höchster Punkt aufleuchtete. Über diesen 
hinaus (nach oben zu) gibt es keine (diskursive) Er- 
kenntnis; deshalb wird er Reschith (Anfang) genannt, 
das erste schöpferische Urwort." 

Joel (Religionsphilosophie des Sohar, S. 313) 
umschreibt diese dunkle Stelle so: „Im Anfang, als der 
König seinen freien Willen kundgeben wollte, grub er 
Formen in die erhabene Klarheit (die „Krone", Kether) 
ein; aus diesem tiefverborgenen Anfange ging dann ein 
strahlend Licht durch die geheime Kraft des „Eu Soph" 
hervor. Alles ist mit dieser Substanz verbunden, welche 
den ersten Ring in der Kette (der Schöpfung) bildet. 
Sie (die „Krone") ist weder weiß noch schwarz, weder 
rot noch grün, überhaupt ganz farblos. Als Gott ihr 
aber eine Ausdehnung erteilte, ließ er dieses Licht in 
den verschiedensten Farben spielen und sich nach unten 
verbreiten. Die Ausströmung aus dieser Substanz ward 
also durch die geheime innere Kraft (Mitwirkung) des 
,En soph' bewirkt." 

Der Leser sieht aus dieser kleinen Probe, wie 
schwer verständlich die Worte des Sohar sind und — 
was man alles herausdeuten und hineinlegen kann! 

Zu § 63. Von R. Isaak Lurja's Lebensgange ist (wie von dem 
der meisten Kabbalisten) wenig Sicheres bekannt. Er war 
1534 in Palästina geboren. Nach dem frühen Tode 
seines Vaters zog die Mutter mit dem 16 jährigen Sohne 
nach Ägypten zu ihrem Bruder, der dort Steuerpächter 
war und später dem R. Isaak seine Tochter zur Frau 
gab. Nach 20jährigem Aufenthalte in Ägypten begab 
er sich nach Safed in Palästina, wo der vorher von 



*) Sephiiah Chochmah? 

8' 



ro (§ bo) unterrichtete Chajjim Vidsl se 
wurde. „Im 38. Jahre seines Alters", heißl 1 
im Buche Emek ha-melech (s, 0. § 71), „wurde er liier, 
in der heiligen Gemeinde zu Zaphelh. wegen unserer 
vielfachen Sünden iu die obere Akademie abberufen". 
Jonathan Eibeschütz war zu Krakau 1690 geboren 
und wnrde, nachdem er von R. Meir Eisens tedt (Worms) 
;eren Schwiegervater R. Isaat Spiro (Frag) 
zum Talmudislen herangebildet war, schon mit iB Jahren 
Rabbiner zu Jungbunzlau in Rühmen und alsbald zu 
Prag, wo er seinen Ruhm gründete und bis 1740 blieb. 
Nach zehnjährigem Wirken in Met/ wurde ihm 1750 
das Rabbinat der drei Gemeinden zu AJlona, Hamburg 
und Wandsbeck übertragen. Hiev geriet er mit seinem 
Altonaer Kollegen Emden in den berühmten Streit, der 
nachgerade du ganze europäische Judentum in iwei 
feindliche Heerlager spaltete. Eibeschütz hatte mehrere 
Amulette geschrieben, in deren Inhalt die Gegner Spuren 
sabbathianischer Ketzerei entdeckten, während er und 
■ sie als harmlos hinzustellen suchten. 
Fast alle jüdischen Autoritäten wurden von hei den 
Parteien als Gutachter aufgerufen und urteilten nicht nur 
verschieden, sondern 1. T. erst so, dann umgekehrt. Der 
König von Dänemark als Landesherr forderte auch von 
christlichen Gelehrten Gutuditen ein, die ebenfalls ver- 
schieden lauteten und z. T. Eibeschütz sogar zu einem 
geheimen Christen zu stempeln suchten. Der König gab 
in dieser Verlegenheit bald dieser, bald jener Partei 
recht, und der Streit schwebte noch, als E. 1764 die 
klugeu Augen zutat. — In seineu (zuerst Karlsruhe 
1 778 von einem seiner Schüler herausgegebenen) eleganten 
Predigten zitiert E. öfters auch den Sohar riebeu talmu- 
dischen und modernen Autoritäten, Berühmt sind auch 
: Kommentare zum Schulclian aruch (vgl. meine 
Schrift „Das neue Buch vom Seh. a."). 



"7 

Zu den Anhänger;* der Kabbalah, insonderheit des 
Sohar, Kellölten im lS. Jahrhundert auch die Frankisten 
(Suhariten, Contiatalmiidi-tciil, d. h. die Anhäuger des 
bekannten polnisclien Sektierers Jakob Frank, der (1719 
geboren) 1791 zu Offenbach in fürstlichem Ansehen und 
Reichtum starb. 

Merkwürdigerweise hat die K.al>b;ilisiiN nuch bis tief in 
das ig. Jirhihundert hinein gerade unter katholischen 
Geistlichen, zumal in Österreich, viele überzeugte An- 
hänger gehabt. 



79. Johannes Reuchlio., der beka 


nnte Humanist und 


Vorkämpfer der Reformation, Ohein 


Melancbthon's, am 


j8. Dezember 14^; "i Pforzheim 


geboren. Nachdem 


ei 1473 iu Hau» besondere Gli 


chisch und Latein 


Studien, lehrte er 1474 — 78 bei 


e Sprachen au der 



■ Üiur 



1 Oriet 



, ebenso vo:. 1478 i 
jugleich Jura studierte. 14X1 lehrte er Jurisprudenz, uud 
schöne Wissenschaften in Tubiagen, praktizierte daneben 
auch als Advokat 11111I w;..d ein Liebling Eberhard's des 
Hurtigen, unt dem ei such Italien besuchte, wo seine 
griechischen Kenntnisse Staunen erregten. Von seinem 
FBiftea nrll vielen wicht ij:'"" Missionen betraut, kam er 
HOO «Jeder nach Italien, uud lernte hei Leone da Modena 
d.i' DuSr usche, was er bei dem jüdkehen Leibärzte 
K.iiiPi Maximilian'*, Jecbiel l.oau*, fortsetzte. 1494 schrieb 
er sein kabbalistisches Werk „De verbo mirinco". Als 
Maximilian [500 alle hebiäischen Schriften zu verbrennen 
befahl, protestierte der zu einem Gutachten aufgeforderte 
Reuchün freimütig dagegen uud geriet dadurch in den 
bekannten Streit mit den Kolner Dominikanern und mit 
deren Strohmann, dem getauften Juden Pfefferkorn. 
Reuchlin bekam einen !n.]iii.suions|>ru(d.i an den Hals, 
den er botz der feindlichen Gutachten der Universitäten 
Ptris, Lfiwen, Eifuit und Mainz schließlich gewann. Das 



n8 



berühmteste Erzeugnis dieses Streites sind die von seinen 
Anhängern (Ulrich von Hütten, Conrad Celtes, Willibald 
Pirkheimer u. a.) herausgegebenen „Dunkelmänuerb riefe" 
(Epistolae obscurorum virorum), durch die seine Wider- 
sacher unsterblicher Lächerlichkeit preisgegeben wurden. 
Reuchlin starb in Stuttgart am 30. Juni 1522. — Bei 
den orthodoxen christlichen Hebraisten war er übrigens' 
nicht allzugut angeschrieben; Buxtorf nennt ihn in seiner 
,, Erneuerten Judenschul" (ich zitiere nach der Ausgabe 
Frankfurt-Leipzig 1738, S. 53) unter dem Namen „Reuch- 
loch, Reuchlen sollte man sagen" direkt vor dem Eulen- 
spiegel Marcolphus! 
Zu § 85. Zu der Frage vgl. Delitzsch „SchacLmatt den Blut- 
lügnern Justus und Rohling" (Erlangen 1883), Rohling 
„Meine Antworten an die Rabbiner" (Prag 1883), sowie 
„Die Polemik und das Menschenopfer des Rabbinismus" 
(Paderborn 1883), Joseph Kopp „Zur Judenfrage" 
(6. Aufl., Leipzig 1886) und vor allem Strack „Das 
Blut" (5. — 7. Aufl., München 1900). — Die Annahme, 
daß der Sohar ein „Blutritual" lehre, ist aus dem Miß- 
verständnis dunkler allegorisierender Stellen hervor- 
gegangen, in denen Unglück und Leiden mit dem 
Geschlachtetwerden verglichen wird, z. B. der Stelle 
aus Tikune Sohar (im Sohar chadasch [II, 57], s. o. 
§ 49)' »»Ferner gibt es ein Gebot des Schlachtens, das 
in gesetzlich gültiger Weise geschieht, an Fremden, 
welche Menschen sind, die dem Vieh gleichen; denn 
diejenigen, die sich nicht mit der Thorah (Heil. Schrift) 
bemühen, muß man zu Opfern des Gebets machen, daß 
sie dem Heiligen, Gebenedeiten als Opfer dargebracht 
werden. Und wenn sie ihm so dargebracht werden und 
mancherlei Plagen erdulden, so gilt von ihnen Ps. 44, 
23: „Denn Deinetwegen werden wir den ganzen Tag 
gemordet, wir sind geschlachtet, wie Schafe auf der 
Schlachtbank." Das ist wie in 2. Mose 20, 24: „Und 



"9 

du sollst (auf dem Altar) opfern deine Ganzopfer und 
deine Dankopfer.*' Das hat ihnen vom Tode durch den 
Todesengel geholfen. So heißt es auch Ps. 36, 7: 
„Menschen und Vieh hilfst du, o Herr.*' Die aber, 
deren Tun gleich dem des Viehes des Feldes ist, die 
da essen, ohne zu beten — ihr Tod wird sein wie der 
des Viehes des Feldes, und der Todesengel schlachtet 
sie entsprechend ihrer Schuld, und nicht nur das, sondern 
sogar mit einem schartigen Messer" usw., usw. — Die 
Albernheit dieser Allegorie hat sich bitter gerächt, 
indem der Passus ein halbes Jahrtausend später als 
Belegstelle für das „Blutritual" benutzt wurde, so wenig 
er an sich dazu paßt. 

Zu § 152. Vgl. hierzu die überaus lehrreiche Schrift von Felix 
Laudowicz: „Wesen und Ursprung der Lehre von der 
Präexistenz der Seele und von der Seelenwanderung" 
(Leipzig, G. Fock 1898). 

Zu § 154. Vgl. Oleott, Buddhistischer Katechismus, 35.(2. deutsche) 
Ausg., Leipzig (L. Fernau) 1902, besonders Seite 125 bis 
128, wo ich mich ausführlich hierüber geäußert habe. 

Zu § 164. Solche Auslegungen im Sinne der Seelenwanderung 
haben erfühlen z. B. 

1. 1. Mose 3, 16 „Bis daß du wieder zur Erde 
kommest" (so nach dem hebr. Text), „von der du 
genommen bist". Das soll eine wiederholte Ein- 
körperung bedeuten! 

2. 5. Mose 33, 6 (nach der aramäischen Übersetzung des 
Onkelos): „Rüben lebe und sterbe keines zweiten 
Todes." 

3. Pred. Sal. 1, 4 und 9. „Ein Geschlecht vergeht und 
ein Geschlecht kommt — dasjenige, das gewesen ist, 
ist das, welche wieder sein wird." 







120 




4. Pred. SaJ- 8, in: „Und ich sah die Gottlosen, die 






gestorben wareu, und sie kamen." (Hebr. -= kamen 






wieder.) 






5. 2. Snm, 14, 14: „Und Gott will die Seele nicht 






wegnehmen, sondern bedenkt sich, daß das Ver- 






stoßene nicht von ihm verstuLien werde."' 






6. IHob I, 21: „Ich bin nackend ans meiner Mutier 






Leibe gekommen, nackend werde ich wieder dahin 






fahren" — - nSmlich (nach kabbalistischer Auslegung) 






an eine neue Gebm tsstätte. 


Zu 


§ 176. 


Vgl. mein „Jüdisch -den t'<- lies Leben Jesu" (Leipzig 1895, 
S. 17) und S. Kranss, „Das Leben Jesu nach judischen 
Quellen". (Berlin 1902, S. 189fr.) 


Zu 


§ 1B6. 


Über solche Suggestiv Wirkungen im Buddhismus vgl. 
Oleott, Buddhist. Katechismus, § 352—363 und S. 132, 
Anm. 359. 


Zu 


§ 1BB. 


Vgl. hierzu auch die aus der jüdisch-deutschen Volks- 
literatur entnommene Erzählung „Vun de Kabole" in 
meinem „J udisch-deutschen Dolmetscher" (3. Aufl., 
Leipzig 1901, L. Fcrnau), S. 53 f. 

Ein wirklich „chaldäisches" (d. h. aramäisches) 
Traumbuch findet sich übrigens schon in dem talmu- 
dischen Traktakte Beracholh fol. 55a — 57a. 


Zu 


§ 201. 


Noch zu Anfang des 1 8. Jahrhunderts wurden auf den 
meisten deutschen Universitäten besondere chiromantische 
Kollegia gelesen, so z. B. in Jena von Professor 
Hexner, in Halle von Professor Nietzky. 


Zu 


§ 202. 


Noch im ersten Drittel des 19. Jahrhunderts verteidigte 
ein deutscher Professor die Astrologie! (J. W. PFaff, 
„Astrologie", Bamberg igib, und „Über Planeten- 
konjunkturen und den Stern der Weisen", daselbst 1821.) 
Mitte des [8. Jahrhundeils war das „Nativitätst eilen" 
noch sehr verbreitet, worauf Goethe am Beginn von 
„Dichtung und Wahrheil" anspielt. (Vgl. hierzu Düntsier's 



121 



Erläuterungen). — Wie manche Angehörige des weib- 
lichen Geschlechts opfern noch heute auf Jahrmärkten, 
bei Wahrsagerinnen usw. einen Groschen für einen 
„Planetenzettel" ! 
Zu § 204. Um einem vielfach verbreiteten Irrtum zu begegnen, sei 
ausdrücklich erwähnt, daß Machwerke wie „Das sechste 
und siebente Buch Mose" oder „Die Geheimnisse der 
Kabbalah" absolut nichts Kabbalistisches enthalten, 
sondern blühenden Blödsinn zu ganz unverhältnismäßig 
hohem Preise. 



REGISTER DER ABBILDUNGEN. 

Seite 
Fig. i. R. Simeon bcn Jochai. (Traditionelles Bildnis.) . 2 

2. Amulett-Zettel. (Aus Ploss-Bartels , Das Weib. 
7. Aufl., Leipzig 1902, Th. Grieben's Verlag [L. Fernau].) 9 

3. R. Eleasar b. Juda. (Nach einer alten Zeichnung 
im Besitze von S. Meyer in Köln.) 13 

4. Amulett für Wöchnerin und Kind. (Aus der 
„Jewish Encyclopedia*', New- York u. London.) ... 21 

5. Titelblatt von Bd. II der „Kabbai a denudata", nach 
dem Original der Leipziger Universitätsbibliothek . . 24 

6. R. Is. Lurja. (Nach einem Petersburger Original.) 29 

7. R. Sabbathai Zewi. (Nach einer Miniatur im Be- 
sitze von Ch. Rubin in Amsterdam.) ....... 32 

8. J. Eibeschütz. (Nach M. Poppelauer, Geone* Jisra&l, 
Berlin C, Neue Friedrichstr. 59.) 33 

9. Joh. Reue hl in. (Nach einem Kupferstich von Ermer.) 37 

10. Th. Paracelsus. (Nach dem Titelkupfer von Vol. I 
der Folio-Ausgabe der „Opera omnia ;< , Genf 1652.) . 39 

11. Jak. Böhme. (Nach e. Lithogr. v. Fr. Zimmermann.) 43 

12. B. Spinoza. (Nach dem Gemälde im Kgl. Schlosse 
zu Haag, reproduziert in Auerbach's Übersetzung der 
Werke Sp.'s, Bd. I.) 48 

13. Sternförmige Darstellung der Sephiroth. (Aus Knorr 
v. Rosenroth, Kabbala denudata.) 5° 

14. Kabbalistischer Baum. (Nach der „Jewish En- 
cyclopedia".) • 61 



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123 

Seite 
Fig. 15. Adam Kadmoni. (Aus Ginsburg, The Kabbalah.) 69 

16. Manasse b. Israel. (Nach einem Bildnis im Besitze 
von M. Adler in London.) 78 

17. Jüdisches Kreis-Zimmer. (Aus Ploss, Das Weib.) 83 
,, 18. Abendgebet der Nachbarn am Bett einer jüdischen 

Wöchnerin. (Aus Ploss, Das Weib.) 84 

„ IQ. Grabmal des R. Low. (Nach Wolf Pascheies, Ab- 
bildung der wichtigsten Grabsteine auf d. alt. jüd. 

Friedhofe in Prag.) 89 

„. 20. Amulett zur Beförderung schwerer Geburt. (Aus 

der Jewish Eocyclopedia.) 91 

21. Gelage und Kurzweil in einer jüdischen Wochen- 
stube. (Aus Ploss, Das Weib.) 92 

22. Amulette des Paracelsus.^ (Aus Vol. I der 
„Opera omnia", vgl. oben zu Fig. 10.) 99 

23. Kabbalistisch-chiromantische Hand. (Vom 
Verf.) 104 

24. Die 12 Himmelshäuser. (Vom Verf.) 106 

25. Cornel. Agrippa ä Nettesheim. (Nach einem 
Kupferstiche, G. W. Kraus del., H. Lips sculps.) . . 107 



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9» 



SACHREGISTER. 

(Die Zahlen beJeuten die Seiten.) 

Abraham 2. — Abraham de Herrera 31. — Abrakadabra 93 ff. 
— Abulafia, Abrah. 15, 16, 42. — Abulafia, Todros 15 f. — Adam 
2. — Adam Kadmoni 69 ff. — Agi ippa v. Nettesheim 36, 108. — 
Amulette 8, 92 ff., 98 ff. — Antoninus, der Kaiser 86. — Asarjah de 
Fano 31. — Ascher b. David 15. — Asijjah (Welt) 56, 63. — 
Asmodi 87. — Asriel b. Meaachem 15, 49 ff. — Astrologie 101, 
105 f., 120 f. — Athbasch 19 f. 

Baal schem 51. — Bahir (Buch) 15. — Beriah (Welt) 56, 62 f. 
70. — Bloch, Ph. VI, 31. — - Blutritual 40 ff, 118 f. — Böhme, J. 
38, 44. — * Brahmanismus 72. — Briman 41. — Buchstabenmystik 
10, 16, 20 ff, 95 ff. — Buddhismus VI, 72 ff. 

Chanina b. Chama 86, 88. — Chiromantie 101 ff., 120. — 
Christliche Kabbalah-Freunde 35 f., 117. — Contratalmudisten 117. 

David 85. — Delitzsch 118. — Despinoza s. u. Spinoza. 

Blchanan 31. — Eleasar b. Juda 13, 17, 110. — Elias 86. - 
Elieser, Abrahams Knecht 85. — Eibeschütz 34, 116. — Emden 
7 ff -> 33» 116. — An söph 46. — Ethik 10, 57 f., 63 fr. 

Fiankisten 117. — Funken (seelische) 30, 74 f. 

Q-an naül 41 f. — Gematria 16 f., in. — Gilgul, s. Seelen- 
wanderung. — Gikatilla, Jos. 6, 15, 20, 55, 112 f. — Golem 88fr., 
100. — Güph 67. 



Hager, Mendel (T, — Hai Gaon 8. -■ Hechalolh labbathi 8, 
loz. — Helmont, Joh. Bapt. van, 38. — Helmont, Frz. M. van, 11 f., 
38. - Hese 87. — Horoskop 10S. — Horwitz, Scheftel 31. — 
Horwilg, Jesnja 3 1 f. — Hymne 102. — Hypnose lorf. 

Ibluir 74 ff. --- Isaalt d. Blinde 15. — Ischthabar 91. — Ismael 
b. Elisa 2. 

Je^irah (Welt} 56. 63. — Jeiirah (Buch) 3 f., 5, 8, 10—12. — 
Joe! VI, 1(5. — Juda I. (Patriarch) 87. — Jado ha-chasid 13, 109. 

Kabbalistischer Baum 53 f"., 61, — Kant 51. — Karo, Jos. 28. 

— Kelippolh tb, 51, 56 (63). — Knorr v. Rosenroth 36 f., 114. 

Leibim 1 1 f . — Leone da Modena 37, 117. — Lilith 82ff., 91. 

— Loans, Jechiel 117. — Low, R. 88 ff., IOO. — Lurja, U. 28—31, 
70, 76, 87, 103 I15f. 

Magie Siff., [02f. — Manasse b. Israel 77fr. — Manuskripte 
4, 42. — Materie 50 f., 58 f., 63, 126. — Menschern aus Rekanate 
27. — Menoiah III, IV. — Midrasch 2, 22, 68. — Moses IV, 86. 

— Mose Koidovero 28, 47. — Mose de Leon 15, 21 f., [13t — 
Mose b, Natbiii.in s. N;idima»ides. 



Bachmanides 6, [5!. 


nof. — Naphlhali 


Elchsnsn JJ. — 


Nathan b. Salomo Spiro 3 


I, — Nativität 106, 


II. — Nechunjah 


b. Hakana 2. — Neupiaton 


smus 72. — Notariko 


1 i6fT. 


Olcotl, Buddhistischer 


Kntechism. VI, 119, 


[20. — Othijjoth 


de R. Äkiba 7 f. 






Paracelsus 38. — Pic 


s v. Mirandola 36. — 


Pistorius, J. 36. — 


Praeexi-tenz 6(1 IT., 119. 







Hasiel (Buch) 12, 86. — Reuchlin 36 t., 117C — Riciiis 36- — 
Riüangel 30. — Rohling 41, I 18. — Rudolf, Kalter 90, 

8aadja 6, 12. — Sabbathai Zewi 31 f., 34 f, - Salomo 87. — 
Samuel Gallicu 31. — Siheftel Hotwltz 31. — Sehern (Gottesname) 
81 ff., IJQ. — Schiür komah 8. — Schulchan aruch 28, 116. — Seele 
&4ff. — Seekuwanderung 26, 72—80, im. — Sephitoth V, 4j ' + (■• 



126 



2 5» 5°> 6 3> 75« — Sohar 2—5, 22—27, 36f., 45, 114 f.— Spinoza 
38, 49, 58, 65. — Spiro s. Nathan. — Strack, Prof. 42, 118. — 
Suggestion 107 f., 120. 

Talmud 2 f., 68. — Talmudisten IV, 2, 6, 16. — Themurah 16, 
18 f., iuf. — Tholuck-Biesenthal 38. — Tiinitätslehre 26. 

Vidal, Chajjim ßof., 116. 

Wessely, N. H. 41. — Willensfreiheit "05, 71. 

Zahlenorakel ni. — Zauberei 8, 81, 120. — Zebi Hirsch 
Aschkenasi 33. — Zimzum 28, 47 ff. — Ziruph 19, in. 



Im gleichen Verlage sind u, a. erschienen: 



BUDDHISTISCHE KATECHISMUS. 






HENRY S. OLCOTT, 

JSOPHDUL SOCIETY elf 



ZU II AD H AS. 



35. (2. deutsche) Ausgabe 



Dr. Erich Bischofl". 



Preis: broscb. 



tnlu.lt: t. Da* Li'lien BniMlia's. 

- 11. Ii.n Jili.il 1 1 : : ■. - - Tili.r ili.- l..-li|... 

— III. Der Sangbii. — IV. Diu lint- 
wii'klimg imil Aiislii-eitinii; il»s 
liii.l.llj-.iiii,.-. v l:i|.l.l!ii-iiiii.: ■■■■ ' 
Wissu usuhnft. — Aahaiiff: Bu 
Anmerkungen du Uberaatun 




Jüdisch-deutscher Dolmetscher. 

. Kiv:ihliiiiKi'ii, ]:.;ili-ii":ii'ti:-n usw., Kalender, Zahl-, Mull-, 







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Von demselben Verfasser werden demnächst 
erscheinen : 

Die Seelenwanderung 

im Lichte der Kulturgeschichte. 

Ein interessantes Kapitel aus dem Ent wickelungs- 
gange menschlichen Denkens. 

Ferner : 

Talmud-Katechismus. 

Handbüchlein zur Belehrung über 
eines der merkwürdigsten Bücher der Menschheit 



Außerdem sind von ihm erschienen: 

Kritische Geschichte der Talmud- 
Übersetzungen aller Zeiten und 

Zungen. (Frankfurt a. M. 1899.) 
und: 

Das Buch vom Schulchan Arukh. 

(Frankfurt a. M. 1903.) 




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